SuccessWas auch immer von Selbsthilfegurus, Rat- und Tippgebern aller Art behauptet und in die Welt hinausgeschleudert werden mag, ein erfolgreiches oder gar ein erfülltes Leben besteht niemals darin, dass man einem vorgegebenen Prozedere von Regeln folgt und schon gar nicht, indem man sich die Verhaltensweisen eines Schauspielers antrainiert, um damit fehlende Substanz zu kaschieren. Letzteres ist jedoch genau das, worauf der größte Teil der Selbsthilfe- und Ratgeberliteratur hinausläuft. Mehr oder weniger uneingestanden wird in dieser propagiert es gäbe so etwas wie eine „magische Formel“ einen Satz an Regeln à la „Die 12 Gesetze des Erfolges“, die bei korrekter Anwendung mit Garantie zum gewünschten Ergebnis führten. Freilich ist kaum einer so naiv tatsächlich eine ausdrückliche konkrete Garantie abzugeben; nichtsdestotrotz entsteht dieser Eindruck bei einem großen Teil der Leserschaft – das wissen die Autoren nicht nur, es ist von ihnen auch gar nicht anders beabsichtigt!

Der Begriff „Erfolg“ hat damit zu tun, dass etwas dem eigenen Willen Gemäßes erfolgt. Wer also von Erfolg spricht, der spricht damit immer jenen Bereich des Lebens an. der in den Bereich der „Macht“ fällt. Nach Max Weber ist Macht die Fähigkeit seinen Willen, auch gegen Widerstand, durchzusetzen. Erfolg und Macht sind demnach untrennbar miteinander verbunden. Wir dürfen uns nur niemals täuschen lassen, wenn von „Erfolg“ gesprochen wird und nicht von Macht, nur weil dieser sozial verträglicher klingt als jene. Erfolg im Einzelfall mag zwar für Freude sorgen, Erfüllung findet man durch ihn jedoch nicht, dazu bedarf es einer anderen Qualität.

Unter Lebenserfolg kann nicht der glückliche Zufall verstanden werden, denn ein solcher entzieht sich zum allergrößten Teil der persönlichen Einflussnahme. Was wir unter Lebenserfolg verstehen ist etwas ganz anderes: Es ist die Bilanz über längere Zeiträume hinweg, am Ende die Abrechnung über das gesamte Leben, die verständlicherweise in letzter Konsequenz von einem Menschen selbst gar nicht vorgenommen werden kann, sondern nur von seinen Nachfahren und Erben. Überdenkt man die Gesamtheit des Lebens eines Menschen, so kommt man, gerade durch das Studium der „Großen“ der Geschichte, zu einigen interessanten Einsichten, die zwar nicht populär, aber trotzdem nicht von der Hand zu weisen sind.

Des Menschen Charakter ist sein Schicksal! An dieser alten Einsicht, die von der Antike herauf, bis mindestens zu Sigmund Freud, bestanden hat, kommen wir nicht vorbei, wenn wir dem menschlichen Leben gerecht werden wollen. Es ist leicht die glücklichen Umstände des Augenblicks auf uns selbst zurückzuführen, die Unglücksfälle hingegen einem bösen „Schicksal“ außerhalb unserer Kontrolle zuzuschreiben – eine sehr menschliche Verhaltensweise, wie sie etwa von Jean de Lafontaine in einer bekannten Fabel wunderbar aufgezeigt wird – doch diese Umgangsweise verliert jede Glaubwürdigkeit wenn man das ganze Leben eines Menschen überblickt. Menschen, die mit den besten Voraussetzungen ins Leben starteten (wohlhabende Familie mit gutem Ruf, Förderung durch Mentoren, entsprechende soziale Kontakte etc.) scheitern zuweilen, während andere, ohne irgendwelche Protektion und ohne von vorne herein mit den entsprechenden Ressourcen ausgestattet zu sein, es zu großem Erfolg bringen. Wer hier von reinen „Ausnahmefällen“ spricht, verhöhnt die Erfahrung von Generationen, ja von einem Gutteil unseres kulturellen Erbes.

Die Schwierigkeiten beim Lebenserfolg liegen nicht in der Theorie, denn eine solche ist schnell und leicht erklärt, vielmehr scheitert alles daran, dass man es nicht fertig bringt erfolgreich in die Praxis überzugehen. Ohne zu wissen, was man im Leben will, hat man keine Chance erfolgreich zu sein. Und selbst wenn man weiß, was man will, erreicht man nichts, wenn man nicht auch die Fähigkeit besitzt die „PS auf die Straße zu bringen“, will heißen, wenn man den Unterschied zwischen einem Wunsch und einem echten Willen nicht kennt. Wünschen kostet nichts, ein Wille hingegen ist immer mit einem Entschluss verbunden und dieser bedeutet eine Verpflichtung, bedeutet alles zu tun, um zu bekommen, was man sich ernsthaft vorgenommen hat. Es soll keineswegs verschwiegen werden, dass dies oft mit Blut, Schweiß und Tränen verbunden ist!

Allzu viel Erfolg kommt deshalb nicht zustande, weil Menschen glauben das Leben müsse ihnen in die Hände spielen, müsse stets „leicht“ und „schmerzlos“ sein. Kein Wunder, dass all diejenigen, die schnelle und einfache Lösungen anbieten so großen Zulauf haben. Doch der einzige, der dabei erfolgreich wird, ist derjenige, der solche Lösungen anbietet (und freilich nie Verantwortung für irgendetwas übernimmt). Wie viele Menschen sind denn jemals erfolgreich geworden, weil sie alleine einem Selbsthilfebuch gefolgt sind? Und damit sind alle möglichen Lebensbereiche gemeint, vom geschäftlichen und finanziellen Bereich bis hin zum professionellen „Aufriss“ am Samstagabend (es gibt ganze Internet-Communities, die sich mit dem scheinbar professionellen „Aufriss“ beschäftigen und so genannte PUA (pick up artists) ausbilden – im Grunde handelt es sich um eine Online-Version der alten Schundbücher, die Männern und Frauen seit jeher suggerieren das andere Geschlecht könne zur Willfährigkeit verführt werden, wenn man nur die entsprechenden „Tricks“ und „Kniffe“ anzuwenden wisse).

Oberflächlich betrachtet mag es zwar so aussehen, als ob Leute, die bestimmte Regeln befolgen, die sich an Anweisungen halten, damit sehr erfolgreich wären. Wenn dem jedoch tatsächlich so ist, dann mit Sicherheit nicht, weil bestimmte Normen punktgenau bewusst befolgt werden, sondern weil durch unentwegte Einübung einem solche Normen in Fleisch und Blut übergegangen sind, so dass man nicht mehr unter der Bürde des permanenten bewussten „Überwachens“ der eigenen Gedanken und Handlungen steht. Ähnliches kennen wir auch aus der Erlernung eines Berufes oder einer sonstigen kreativen Tätigkeit. In den 90er-Jahren gab es eine wissenschaftliche Studie, die belegte, dass es etwa 10.000 Stunden des Einübens eines Themas oder einer Sache bedarf, um darin wahre Meisterschaft zu erlangen. Man bedenke, dass die durchschnittliche Jahresarbeitszeit heute in Europa weit unter 2000 Stunden liegt! Man kann sich vorstellen wie lange es dauert, bis jemand wirkliche Meisterschaft in einem Beruf erlernt hat. Nur die wenigsten sind heute noch bereit dies auf sich zu nehmen. Traditionell sagte man, dass ein Handwerker vom Lehrling bis zum Meister sieben Jahre brauche. Daran hat sich bis heute nichts geändert, nur dass heute die Arbeitswelt voller Leute ist, die sich mit weniger durchmogeln wollen und glauben wenn sie die äußeren Anzeichen von Meisterschaft beherrschten, man ihnen auch abkaufe über die dahinter stehende (materiellen, nicht formelle!) Qualifikation zu verfügen. Auf der anderen Seite ist es jedes Mal eine wahre Freude, wenn man auf Individuen trifft, die ihr Handwerk verstehen, bei denen man merkt, dass die berufliche Tätigkeit nicht einfach dem Broterwerb dient, sondern eine Berufung ist. Es ist dies eine recht seltene Erscheinung in unseren Tagen.

Zum Thema Schein uns Sein gäbe es sehr vieles zu sagen und auf dieser Seite werden wir uns diesbezüglich kein Blatt vor den Mund nehmen, denn wir haben uns entschlossen die Wahrheit zu sprechen und zu schreiben und Menschen nicht Geschwafel, sondern Werthaltiges zu bieten.

Der Ungebildete kennt keine Regeln, bzw. befolgt, wenn überhaupt, nur jene, die ihm von seinen Autoritäten zur Befolgung gegeben werden. Der Gebildete kennt die Regeln, weiß sie weiterzugeben (oft betätigt er sich als „Lehrer“ und „Berater“) und anzuwenden, dabei verbleibt er jedoch in einem starren, weitgehend unreflektierten, System. Der Weise alleine kennt Regeln und Ausnahmen, weiß diese in Zusammenhang zu setzen und kann unterscheiden zwischen wann eine Regeln angewandt werden darf und wann nicht. Der Weise wird von Prinzipien, nicht von Regeln und Normen geleitet, darin liegt seine Stärke, seine Einmaligkeit, darin liegt der Unterschied zwischen ihm und den anderen.

Ratschläge zu erteilen ist billig, insbesondere solche, um die nicht gebeten wurde, und es ist dies nur allzu oft das Geschäft der Halbgebildeten, von Leuten, die zwar einiges wissen, aber nicht genug, um ein vollständiges Bild entwerfen zu können. Man ist ihnen zu viele Antworten auf Fragen schuldig geblieben. Diese Antworten phantasieren sie sich nun selbst zusammen, um ein möglichst geschlossenes Weltbild zur Hand haben, denn Antworten bedeuten ihnen mehr als Fragen und absolute Gewissheit ist für sie ein Ding der Notwendigkeit, um ihr Leben einigermaßen ertragen zu können. Es ist darum auch kein Wunder, dass sich die meisten Fanatiker und Ideologen aus dieser Gruppe rekrutiert. Damit ist es jedoch noch nicht getan, der Halbgebildete zeichnet sich auch dadurch aus, dass er meist ein sehr starkes Mitteilungsbedürfnis hat und sein „Wissen“ in die Welt hinaustragen möchte, ob die Welt dieses nun hören möchte oder nicht. Bestätigung suchen solche Individuen ausschließlich von außen, nachdem in ihrem Inneren größtenteils eine gähnende Leere herrscht und sie sich durch viel Geschwafel und Schein bei den anderen den Ruf von Weisheit erwerben wollen. Es ist dies das alte Märchen vom Kaiser mit den neuen Kleidern. Und wenn man dann drauf kommt, dass der Kaiser in Wirklichkeit nackt ist, dann ist es in der Regel schon zu spät, dann sind schon zu viele Menschen ihm auf den Leim gegangen.

Erfolg hängt letztlich von einigen grundlegenden Prinzipien und Fähigkeiten wie Disziplin, Beharrlichkeit, Konzentration auf das Notwendige und Richtige, eigenständiges vernunftgesteuertes Denken, Mut, Kenntnis der eigenen Stärken und Schwächen, Kenntnis der eigenen Ziele und Werte und des eigenen Lebenszwecks, Unabhängigkeit von der Meinung anderer (vor allem der „Meinungsmacher“) ab, sowie der Bereitschaft alles zu tun, was notwendig ist, um die eigenen Ziele zu erreichen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten! Die oben genannten Punkte sind keinesfalls taxativ zu verstehen, auch sollen sie nicht als Grundlage für eine „Checkliste“ herhalten, die es abzuarbeiten gäbe. Vielmehr handelt es sich beim Erfolg um einen fortlaufenden Prozess, in dem Vorstellungen an der Wirklichkeit getestet und dementsprechende Adaptierungen vorgenommen werden. Erfolg hängt viel mehr vom Weglassen all des Unnützen ab, als davon das Richtige zu erkennen! Es geht viel weniger um die Suche nach demjenigen, was getan werden muss, als um die Befreiung von all jenen Dingen, die verhindern, dass wir dieses tun. Erfolg kommt vom eigenen Sein, dessen man sich bewusst ist, nicht von dem, was einem die Welt an die Hand gibt.

 

Euer O. M.

P.S.: Diese Seite hat sich zur Aufgabe gemacht Menschen in erster Linie praktische Hilfestellung zu geben. Nichtsdestotrotz ist es unumgänglich auch theoretische Grundlagen zu behandeln. In diesem Sinne ist dieser Beitrag zu verstehen.

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