Figure-1Aufwachen! Aufwachen zur Wirklichkeit, das ist das Gebot der Stunde, gerade in der heutigen Zeit, in der so viel Schein und so wenig Sein das Dasein prägt. Nie zuvor waren die Menschen der Sinn- und Wertlosigkeit ihres Lebens in einem größeren Maße ausgesetzt als heute. Ja, ein unnützes Leben ergibt sich zwangsläufig, völlig automatisch, wenn wir nicht selbst die Kontrolle übernehmen. Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik gilt auch im menschlichen Leben, kollektiv oder individuell: ohne kontrollierte Zuführung von Energie verfällt mit der Zeit jedes System (hier: unser Dasein), nur durch gezielte Steuerung und Energiekontrolle sind Wachstum und Fortschritt möglich.

Unnütz ist unsere Leben immer dann, wenn wir es zulassen, dass andere uns zu ihrem Instrument machen, und das geschieht regelmäßig, wenn entweder mangelnde Wachsamkeit oder mangelnde Charakterstärke (vor allem in Form von zu wenig Courage) uns bestimmen. Unnütz ist es auch, wenn wir uns nicht in einen größeren Rahmen des Lebens setzen können, wenn wir keine Verbindung mit dem großen Ganzen herstellen können und deshalb unverbunden und ein isoliertes Atom sind, das ziel- und planlos durchs All treibt. Letztendlich ist unsere Leben auch unnütz, wenn wir mehr konsumieren, als wir produzieren, wenn wir wie ein kleines Kind an der Flasche (z.B. die „Wohlfahrt“, staatliche oder private Fürsorge, Abhängigkeiten von anderen Menschen oder Organisationen etc.) hängen, den „ewige Säugling“ geben, der sich nicht entwickelt, der sich weigert „voll geboren“ zu werden, um mit Erich Fromm zu sprechen.

An einem können wir nicht vorbei: Wenn unsere Leben unnütz geworden ist, dann sind wir zutiefst unglücklich, sind zutiefst frustriert und wenn wir noch einen Funken Selbstachtung in uns haben, dann können wir auch nicht mehr aufrecht in den Spiegel schauen. Unser Inneres ist leer, wir plappern wie uns vorgesagt wird, haben die Meinung von anderen internalisiert und halten sie für die eigene. Ein echtes Gespräch über Dinge, für die wir enthusiastisch sind, ist nicht mehr möglich. Man erkennt solche Menschen meist daran, dass man mit ihnen nicht „reden“ kann. Gespräche enden meist sofort, nachdem die Höflichkeiten und ein paar Floskeln ausgetauscht wurden. Das liegt nicht daran, dass diese Menschen schüchtern wären oder eine Redehemmung haben (das sind Rationalisierungen, die das Selbstwertgefühl stützen sollen), sondern schlicht und einfach daran, dass sie nichts zu sagen haben! Ihr Leben besteht aus nichts, sie selbst sind nichts, sie haben kein Feuer für irgendetwas entwickelt; sie sind tot. Unsere Höflichkeit gebietet es jedoch, dass wir schweigen oder subtil andere Gesprächspartner suchen, doch offen ausgesprochen müsste man einem solchen schwachen, entleerten Menschen Vorwürfe machen, ob seines schwammigen Charakters, ob seiner gähnenden inneren Leer, die selbst verschuldet ist und nicht etwa in die Verantwortung eines anderen fiele. Tote Seelen sind nicht selten in der heutigen Zeit, innere Ruinen begegnen einem an allen Ecken und Enden und doch ist es nicht mehr üblich solche Wahrheiten anzusprechen. So geht die degenerative Entwicklung stets weiter und niemand gebietet Einhalt. Deshalb sind so viele verfallen, sind so viele tot, auch wenn sie körperlich noch am Leben sind

Jede Lebensänderung beginnt mit einer Einsicht – nämlich der Einsicht über die Realität, der Erkenntnis, wie die Dinge tatsächlich sind – die gute alte Wahrheit, die heute so sehr in Zweifel gezogen wird und doch das einzige ist, was Menschen frei machen kann.

Wir können nicht umhin uns einige entscheidende Tatsachen bewusst zu machen, wenn wir unser Leben betrachten und danach fragen wie wir ihm Wert verleihen können.

  1. Das Leben ist kurz und wir wissen nicht wie lange es dauert. Jede Minute, die wir mit sinnlosen Dingen zubringen ist vergeudete Lebenszeit. Keine einzige Sekunde, die verstreicht, kommt jemals wieder zurück. Unser Leben steht unter der absoluten DRINGLICHKEIT jeden Augenblick bestmöglich zu nutzen und alles zu vermeiden, was unseren persönlichen Zielen nicht dienlich ist. Das Leben ist viel zu wertvoll, um damit die Ziele anderer zu verfolgen. Eine Krankheit des Menschen ist es sich nicht um seine eigenen, sondern um die Angelegenheiten anderer zu kümmern. Ein Großteil des Leids auf der Welt liegt darin, dass Menschen in das Leben anderer intervenieren und diese nicht in Ruhe lassen können
  2. Wir leben in einer materiellen Welt. Das ganze Gerede von Spiritualität, Glaube etc. hat seinen Wert im Inneren, es gehört in die „Gegenwelt“ aber nicht primär in die Welt der handfesten Realität, in der wir tatsächlich leben.
  3. Menschen kümmern sich um sich selbst und nicht um andere. Selbst der Altruist ist ein Egoist, da es ihm persönlich ein Anliegen ist für andere zu sorgen (oft ob diese nun wollen oder nicht), was selbst eine sehr egoistische Handlung ist. Kein Mensch kümmert sich um uns, außer wir tun es selbst. Das unter 1 Gesagte ist dazu kein Widerspruch, denn die Tätigkeiten die dort erwähnt sind, sollen nicht dem anderen dienen, sondern einem selbst. Hierher gehören auch alle Menschen, die andere „retten“ wollen, all jene „Gutmenschen“ und Aktivisten, die die Welt zu einem bessern Ort machen wollen und sich berufen sehen „etwas zu tun“. Gerade auch Menschen, die paternalistisch meinen das „Gute“ für die anderen anzustreben (gerade, wenn diese sich vermeintlich selbst schädigen), gehören zu den schlimmsten Zeitgenossen. Glücklich ist jener, der von den Menschen geschützt ist, die ihn vor sich selbst schützen wollen.
  4. In unserer Welt sind wir völlig alleine. Unsere Welt ist unzugänglich für andere, es ist die Welt, die in unserem Geist entsteht und in die andere nicht eindringen können (ob wir es nun wollten oder nicht). Kein Mensch kann einen anderen völlig verstehen, wer solches behauptet ist ein Lügner oder Illusionist – meist aber hegt er niedere Motive und hat keinesfalls unser Bestes im Sinn. Es gehört sogar zu den schlimmsten Beleidigungen, die man einem Menschen antun kann, ihm zu sagen man verstünde ihn vollkommen, denn damit zeigt man keinen Respekt vor dem Individuum als einzigartigem Wesen.
  5. Wir selbst tragen völlig die Verantwortung für unser Leben. Es gibt keine Opfer nur Freiwillige – Opfer sind Verlierer, Menschen, die keine Verantwortung übernehmen wollen und deshalb eine „Entlastung“ brauchen, indem sie jemanden oder etwas haben, das „Schuld“ an ihrem Unglück sein soll. Dieses Spiel treiben sie dann jahrelang und allzu oft finden sie genug Dumme, die sie dabei auch noch unterstützen – ganze Berufsgruppen kümmern sich professionell um „Opfer“ und die Gesellschaft finanziert den ganzen Zirkus auch noch.
  6. Gewinner sind Menschen, die genau wissen, was sie wollen und alles tun, um es zu bekommen. Das ist die einzige Formel für Erfolg, die es gibt. Mögen auch hunderte von Seiten in ganzen Bibliotheken dazu geschrieben werden, am Ende läuft alles darauf hinaus, dass bewusstes Wollen kombiniert mit permanentem richtigen Handeln dazu führt, dass man bekommt, was man will. Verlierer wissen meist überhaupt nicht was sie wollen (sie verwechseln Wünsche mit Zielen!) und selbst wenn sie es wissen, haben sie nicht den Mut und/oder das Durchhaltevermögen alles zu tun, bis dass der Sieg (Erfolg) in ihren Händen liegt.
  7. Seinen „Platz im Leben“ kann man überhaupt nicht finden, weil es einen solchen überhaupt nicht gibt. Diesen Platz muss man sich selbst schaffen! Die Vorstellung es gäbe einen fixen Platz, wo man hingehöre, ist die kindliche Einstellung davon, dass irgendjemand einem ein „Nest“ gebaut habe, in dem man angenehm sein Leben verbringen könne. Die Aufgabe des Lebens bestehe nur darin dieses „Nest“ zu finden. Wer solches glaubt wird bald frustriert werden oder nach der Pfeife eines anderen tanzen. Nur wer sich seinen Platz selbst schafft, der kann wahre Erfüllung finden.

Dies sind nur einige Punkte, die noch um viele weitere ergänzt werden könnten.

Die Wertlosigkeit des eigenen Lebens wird einem meist nur indirekt vor Augen geführt: durch Depressionen, „Burnout“, einem tiefen Gefühl der Unzufriedenheit. Es sind Gefühle, starke Gefühle, die diese Funktion übernehmen, doch wie es mit Gefühlen eben immer ist – sie selbst bedürfen einer Interpretation und zeigen uns niemals in Reinform die Ursachen unserer Schwierigkeiten. Sie sind wie Warnleuchten auf dem Armaturenbrett unseres Lebens. Es wäre deshalb auch völlig vermessen Gefühlen an sich Bedeutung beizumessen, dies tun nur jene, die keinen Sinn für das Wahre haben und sich mit oberflächlichen Erscheinungen abgeben. Der intelligente Mensch weiß, dass Gefühle keine Weisheiten beinhalten, dass sie uns nicht als Wegweiser im Leben dienen können. Ein auf Gefühle beschränktes Leben, ist selbst als zutiefst unnütz anzusehen, gibt es doch keinen höheren Zweck, dem ein solches Leben folgt, sondern die bloße „Tierheit“, der bloße verstandeslose Instinkt, der sich, wenn er nicht gezügelt wird, bald maßlos austobt und ein Verderben nach dem anderen gebiert, bis man sich in einem stinkenden Sumpf findet, aus dem zu entkommen extrem schwer ist.

Unnütz ist ein Leben in der Herde, ein Leben, das in vorgefertigten Bahnen, in den engen Grenzen des Kollektivs, geführt wird – ein Siechtum schändlichster Art, das nur die degeneriertesten Geister für erstrebenswert oder auch nur annehmbar halten können. Ausschließlich ein Individualist lebt ein Leben von Wert, niemals ein Massenmensch, niemals einer, der so ist „wie die anderen“! Denn dies heißt ein Schaf zu sein, ein Schaf und kein Mensch und damit einer, der seiner Natur zuwider läuft. Lassen wir uns nicht täuschen von all den Äußerungen über den Menschen als „sozialem Wesen“ und dergleichen. So sehr Beziehungen wertvoll und zu empfehlen sind, so sehr muss doch jedes Individuum sein eigenes Universum bleiben, muss sich selbst treu sein – unentwegt; und wer zuviel Zeit unter Gruppen verbringt, der nimmt allmählich Fremdes als das Eigene an und erkennt, bei nicht ausreichender Distanz, bald nicht mehr sein eigenes Wesen. Nähe und Distanz zu beherrschen ist alles andere als leicht und bedarf eines reifen Wesens. Doch die Gefahr des Kollektivismus darf niemals unterschätzt werden! Denn in ihm liegt eine der Wurzeln des Verfalls der Menschlichkeit und der individuellen Freiheit. Nur eine individuelle Freiheit ist eine wahre Freiheit, denn im Kollektiv gibt es nur Knechtschaft aber niemals das Freiheit, die diesen Namen auch verdiente.

Gerade durch das Aufgehen im Kollektiv verfehlt der einzelne leicht seinen Lebenszweck, durch vorgefertigte Verhaltensweisen trennt er sich von seinem wahren Kern und wird zu einer Kunstfigur, die zwar gefallen mag, die ein schönes Äußeres haben mag, doch ohne dabei noch ein ureigenstes Wesen zu besitzen.

Es gibt ein einfaches Wort, das aus einem unnützen, ein nützliches Leben macht: PFLICHT! Durch Pflicht und Pflichterfüllung wird aus einem Leben ohne Richtung, ohne Sinn und Zweck ein Geist, der wie ein Laserstrahl, der gebündelt all seine Energie ausrichtet, um sein Ziel zu erreichen. Wir müssen erkennen wer wir sind und wozu wir leben. Dann müssen wir uns auf eine Sache konzentrieren und die Verpflichtung eingehen alles zu tun, um diese Sache auch zu erreichen. Das heißt es seine Pflicht zu erfüllen, das heißt es ein nützliches Leben zu führen!

Wer wird einst am Ende seines Lebens objektiv und subjektiv sagen können sein Leben sei von Wert gewesen? Wer wird zurecht behaupten können jede Minute sei produktiv oder zumindest mit Verstand genutzt worden? Vor dieser Abrechnung, vor dieser Bilanzlegung werden wir alle einmal stehen (oder liegen). Furcht bereitet diese Vorstellung nur dem Nicht-Vorbereiteten. Deshalb sollten wir so früh wie möglich damit beginnen unsere Leben zu reflektieren und Rechenschaft abzulegen über all unsere Denken und Tun.

Es ist niemals zu spät sein Leben zu ändern! Selbst wenn schon viele Jahrzehnte an Lebenszeit abgelebt sein mögen, wer beginnt bewusst sein Leben zu leben und „Nein“ zu den ihm wesensfremden Dingen zu sagen, wer zu erschaffen anstatt zu konsumieren beginnt, der hat immer noch die Chance auf Erfüllung. Und diese letztgültige Erfüllung werden wir alle erst am Sterbebett mit Fug und Recht in ihrem vollkommenen Ausmaß behaupten können, oder eben auch nicht, wie es bei den meisten Menschen der Fall ist. Eine „Abrechnung“ im Jenseits darf nicht ausgeschlossen werden und sich auch darüber Gedanken zu machen ist mit Sicherheit nicht die schlechteste Nutzung der eigenen Zeit. Aber das ist Gegenstand anderer Betrachtungen.

Euer O. M.

 

P.S.: Der Titel diese Beitrags „Ein unnütz’ Leben ist ein früher Tod“ stammt aus Goethes „Iphigenie auf Tauris“ und soll in vergangenen Tagen nicht selten als Mahnung jungen Leuten ins Stammbuch geschrieben worden sein, um ihnen die jugendlichen Flausen auszutreiben und sie auf den Pfad des verantwortlichen Erwachsenen zu bringen. Ein Unterfangen, das heutzutage meist sträflich vernachlässigt wird.

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