Questions of powerWenn es in einer Situation um Macht geht, dann ist damit immer zwangsläufig eine gewisse Spannung verbunden, die ihren Ursprung im gegenseitigen Testen verschiedenere Interessen hat, in einer „Reibung“, die nicht vermieden werden kann, wenn es um das Aufeinandertreffen von menschlichen Willenskräften geht. Die Reaktionen auf eine solche Reibung reichen von Vermeidung (keine Teilnahme), über Unterwerfung (nachgeben), Dominanz (Ausbeutung), Kampf (Gewinner-Verlierer-Situation), Kompromisse (halber Gewinn) bis hin zur Kooperation (Win-Win-Situation).

Nachdem Konflikte im menschlichen Leben unvermeidbar sind, ist es besser auf sie vorbereitet zu sein, als diese abzustreiten, den Kopf in den Sand zu stecken oder mit einer „friedlichen“ Einstellung wegzurationalisieren. Es ist unmöglich einen Kampf zu vermeiden, wenn der Gegner durchaus ernsthaft dazu entschlossen ist einen solchen auszutragen. Indem wir nachgeben, geben wir unserem Feind das Territorium zur Plünderung frei oder wir schneiden uns selbst durch Isolation von der Realität ab. Isoliert zu sein ist wie im Gefängnis zu sitzen – und entscheidend dabei ist nicht das physische Eingeschlossensein, sondern vielmehr der Verlust der sozialen Verbindungen, die immer eine Quelle der Macht darstellen.

Um sich Konflikten zu stellen bedarf man einer starken Geisteshaltung, einer inneren Stärke, und ein Weg eine solche Stärke zu entwickelt besteht darin sich routinemäßige einige Frage in machtrelevanten Situationen zu stellen. Ich habe für Euch die zehn wichtigsten Fragen zusammengestellt, die hervorragende Dienste leisten, wenn es um Machtangelegenheiten und deren Management geht.

 

1 – Cui bono?

Cui bono? Wer profitiert? Wem, nützt die Sache? Diese ist bei weitem die wichtigste Frage, wenn es um Macht aller Formen und ihre Spielarten geht; sie wurde bereits in der Antike laufend gestellt, vom Römischen Reich, über die alten Griechen bis zu den Kulturen des vorderen Orients. Eine bevorzugte Art herauszufinden, wem eine Sache nützt, besteht darin der Spur des Geldes zu folgen. Doch dabei hat man Vorsicht walten zu lassen, denn zu glauben es ginge bei jeder Sache immer nur ums Geld, ist eine Täuschung, der vor allem zynische Menschen gerne unterliegen (und wie wir wissen ist Zynismus eine Erscheinungsform der Angst und nicht der Stärke). In Wahrheit gilt es weitaus mehr Motive zu überprüfen, als das bloße Streben nach Geld. Gerade reiche und mächtige Menschen betrachten Geld in der Regel nicht als die Quelle ihrer Macht (wie für gewöhnlich angenommen wird). Man muss hier ähnlich wie in Kriminalfällen vorgehen: Ein Motiv zu haben bedeutet noch lange nicht auch schuldig zu sein. Macht ist ein trickreiches Spiel, man muss dabei ein-, zwei- oder gar dreimal um die Ecke denken können, um herauszufinden, wie die Dinge wirklich liegen.

 

2 – In welchem Rahmen (großem Zusammenhang) steht die ganze Situation?

Alle Dinge im Leben erhalten ihre Bedeutung dadurch, dass wir sie in Verbindung zu anderen Dingen und Umständen setzten. Jede Situation wird für uns entweder gut oder schlecht, indem wir sie durch eine mentale Konstruktion, ein „inneres“ Bild, betrachten. Ein solches Bild verfügt immer über einen „Rahmen“, eine gewisse Anzahl von Überzeugungen, die das Bild überhaupt erst möglichen machen. Indem wir diesen Rahmen kontrollieren, beherrschen wir die jeweilige Situation und die Dynamik der Ereignisse, die damit verbunden sind. Wenn also unser Gegner dieses „Schlachtfeld“ (Spielfeld) absteckt, ist es für uns viel schwieriger zu gewinnen, als wenn wir auf unserem eigenen Schlachtfeld den Gegner erwarten. Es verhält sich dabei ähnlich wie beim Fußball: Zuhause, vor eigenem Publikum, auf dem eigenen Rasen zu gewinnen ist um vieles leichter, als auswärts im Stadion des Gegners. Der einfachste Weg diesen Rahmen nun zu beherrschen besteht darin Fragen zu stellen und Aussagen zu machen, die vom Gegner akzeptiert werden (Nota bene: Auch wenn der Gegner Widerstand gegen unsere Aussagen leistet, so beweist er doch gerade durch den Widerstand, dass er sie angenommen hat!).

Macht steht immer vor der Herausforderung sich selbst zu erklären, sowie für den Machthaber seine Macht zu rechtfertigen. Diese „Rechtfertigung“ ist unvermeidbar. Macht hängt immer von einem Minimum an Konsens ab – ohne die Zustimmung der anderen, kann über sie keine Macht ausgeübt werden. Niemand kann je über Euch Macht ausüben, wenn Ihr ihm diese nicht gestattet! Deshalb besteht der einfachste Weg niemals beherrscht zu werden darin, niemandem eine entsprechende Zustimmung zur Herrschaft zu erteilen. Wenn einer bereit ist den jeweiligen Preis für die Verweigerung der Macht zu bezahlen, so kann Macht gegen einen nicht ausgeübt werden – er ist damit vollkommen frei (die ultimative Freiheit schlechthin). Es ist eines der Ergebnisse des „Machtanalphabetismus“ der meisten Menschen, dass sie nicht wissen, dass die Macht anderer von ihrer Zustimmung abhängig ist. Sich machtlos zu fühlen, zu glauben man können nichts tun und nichts verändern, ist das Ergebnis des „Mythos’“ der Macht, den diejenigen, die über Macht verfügen in der Welt verbreiten.

 

3 – Was ist die Machtbasis der beteiligten Personen?

Jede Macht beruht auf Ressourcen, seien sie nun materieller oder immaterieller Natur. Macht kann auf der Grundlage von Eigentum (va. Geld), sozialen Kontakten, Ämtern und dergleichen bestehen, aber ebenso auf der Basis von Fähigkeiten und Kenntnissen oder dem Charakter eines Menschen. Da Macht jedoch vor allem in den Bereich der sozialen Welt gehört, bedarf es eines gemeinsamen Glaubens, eines Konsenses, dass die jeweiligen Ressourcen Macht anzeigten. Oft wird vergessen, dass Macht nichts Natürliches ist, sondern etwas Soziales. Menschen verfügen nur deshalb über Macht, weil andere Menschen dieser Macht zustimmen, ungeachtet dessen, ob sie sich dieser Macht nun fügen oder dagegen aufbegehren; in beiden Fällen stimmen sie der Existenz der jeweiligen Macht zu. Die wahre Gefahr für die Macht besteht darin, dass der Konsens über die jeweilige Sache, die die Macht begründet, wegfällt. Seid Euch also immer darüber im Klaren worauf die Macht eines Menschen oder einer Institution oder Organisation beruht. In einigen Fällen existiert Macht überhaupt nur deshalb, weil jemand die Attribute der Macht erfolgreich zur Schau stellt, ohne tatsächlich über sie zu verfügen – Individuen können die Ressourcen der Macht auch suggerieren und ihre Macht ist, solange der Schwindel nicht aufgedeckt wird, nicht minder, als jene der Personen, die die Quellen der Macht tatsächlich besitzen.

 

4 – Handle ich im Interesse meiner selbst oder im Interesse anderer?

Wir müssen uns unseres jeweiligen Willens in jeder Situation bewusst sein. Wenn wir nicht wissen, was wir wollen, werden wir zwangsläufig die Interessen anderer befördern. Als starkes und reifes Individuum muss man bei seinen Absichten stets spezifisch sein und zwar in jeder Lebenslage. Und wenn man seinen Willen genau kennt, dann braucht man den Mut und die Disziplin diesen Willen auch umzusetzen. Courage wird man brauchen, um sich nicht einschüchtern und Drohungen an sich abprallen zu lassen, Disziplin ist nötig um auf seinem Weg zu bleiben und nicht den mannigfaltigen Verführungen aller Art zu verfallen, die nichts anderes bewirken als uns unsere Zielerreichung zu vereiteln. In unserer Zeit, in der offene Gewalt als unschicklich gilt, haben die Verführungen und Manipulationen exorbitant zugenommen und nehmen einen immer größeren Raum ein. Ausschließlich Disziplin (Selbstregulation), die Fähigkeit „nein“ zu etwas zu sagen, das im Moment sehr vorteilhaft aussieht, kann uns davor bewahren anderer Leute Interessen zu bedienen und stattdessen unsere eigenen zu verfolgen.

 

5 – Welche Konsequenzen hat es sich der Macht des anderen nicht zu beugen?

Die Verweigerung der Beugung unter den Willen eines anderen kann alle möglichen Konsequenzen nach sich ziehen. Stelle sicher um welche Konsequenzen es sich dabei handelt. Bist du bereit den Preis dafür zu bezahlen – gut; wenn nicht, so finde den Weg, der dir am besten dient. Sei dir aber auch immer klar darüber, welchen Preis der andere dafür zu bezahlen hat, wenn er sich deinem Willen nicht beugt. Es ist nie ratsam eine Situation nur aus der eigenen Sicht heraus zu betrachten, man sollte immer auch den Standpunkt des anderen einnehmen – dadurch offenbaren sich einem oft erstaunliche Einsichten.

 

6 – Bewahre ich genügend Distanz?

Es ist niemals gut zu sehr mit seinem persönlichen Wesen in eine Sache verwickelt zu sein. Nimm einen tiefen Atemzug, erhebe dich über die Situation und betrachte das Ganze mit den Augen eines Adlers. Macht ist ein Spiel, nimm dabei nichts persönlich, nimm den Standpunkt eines Sportlers ein, der in einen Wettkampf geht. Jeder kämpft wie verrückt, jeder will gewinnen, doch keiner wirft den Gegnern ihre Handlungen vor; es ist letztlich nur ein Spiel. Aus der Entwicklung dieser Geisteshaltung heraus, wirst du großen Nutzen ziehen und deine Konflikte werden weitaus reibungsloser ablaufen und schneller gelöst werden, zudem wirst du dich nach Rückschlägen schneller erholen und leichter ein Comeback hinlegen können.

 

7 – Rechtfertigen meine Prioritäten ein Engagement in der Sache?

Deine Zeit, deine Energie, kurz: deine Ressourcen, sind beschränkt. Stelle sicher, dass der Gewinn aus einer Situation den Aufwand rechtfertigt. Als Gewinner hast du den eisernen Willen zu gewinnen. Wenn der Nutzen jedoch darin besteht an Popularität zuzulegen oder Recht zu haben, dann vergiss es – das ist der schmutzige Sumpf, in dem sich Politiker und Ideologen aller Couleurs suhlen. Rechthaben ist nichts! Im Leben geht’s ums Gewinnen.

 

8 – Was kann ich aus dieser Situation lernen?

Versuche aus jeder Situation im Leben so viel wie möglich zu lernen. Wenn es nichts zu lernen gibt, dann verschwendest du wahrscheinlich deine Zeit.

 

9 – Habe ich die Geisteshaltung eines Gewinners?

Gehe jede Situation im Leben aus einer Position der Stärke an, niemals aus einer der Schwäche und Bedürftigkeit heraus, ganz egal wie die Fakten liegen. Selbst wenn du schwach erscheinen magst, stelle sicher, dass es sich dabei lediglich um eine Strategie handelt, eine Maske, um den Gegner zu täuschen (herrschen, indem man vorgibt sich zu unterwerfen). Es ist sehr wichtig um nichts zu bitten, sondern stets Forderungen zu stellen. Gewinner bitten andere nicht, sie nehmen sich, was sie wollen! Verneige dich vor niemandem, außer vor Gott, betrachte einen anderen niemals als dir überlegen – wirklich niemals! Dein Selbstrespekt, das Bewusstsein für deine Würde, müssen immer intakt bleiben, andernfalls erscheinst du anderen auf eine Weise, die nur deren aber nicht deinen eigenen Interessen dient.

 

10 – Konzentriere ich mich auf Taten oder auf bloße Worte?

Viele und große Worte von sich zu geben ist billig, selbst die schwächste Person kann solche machen, um damit zu beeindrucken. Am Ende zählt jedoch stets nur das Handeln; Nur Handlungen, niemals Worte, bewirken etwas in der Welt. Schwache Menschen lieben Einschüchterungen und Drohungen (und das Setzen von Ultimata), da sie selbst von diesen so sehr beeindruckt werden. Sie vermeinen nun andere müssten auf sie genauso reagieren. Seht euch die Worte diese Knaben an wie sie wirklich sind: schwächliche Versuche hilfloser Menschen, die alles daran setzen andere auf ihr Niveau runter zu ziehen.

 

Die Fähigkeit mit Macht umgehen zu können braucht mit Sicherheit eine akkurate und felsenfeste theoretische Basis. Nichtsdestotrotz ist sie vor allem eine Kunst, eine Kunst die regelmäßig praktiziert werden muss. Ein Schüler der Macht kann noch so viele Bücher lesen, Fälle studieren, Experimente in Angriff nehmen, Befragungen durchführen etc. ohne laufende persönliche Erfahrungen, ist all dies vergebene Liebesmüh. Aus den persönlichen Erfahrungen müssen durch eigenständiges Denken Schlüsse gezogen werden, Schlüsse, die wiederum auf die Theorie der Macht, die einer sich gebildet hat, einwirken und zu einer entsprechenden Adaption führen. Macht zu beherrschen ist ein fortlaufender dynamischer Prozess, der uns allmählich einem immer größeren Verständnis der Materie zuführt. Die Theorie muss immer wieder an der Erfahrung getestet werden – die Erfahrungen verändern die Theorie – diese wird wieder an der Realität getestet und so fort. Dieser Prozess wird so lange weiter gehen, wie Menschen auf der Oberfläche des Planeten wandeln. Es ist deshalb besser sich damit auszukennen, ansonsten dürfen wir uns nicht beschweren, wenn wir die Konsequenzen der Ignoranz zu tragen haben.

Ihr O. M.

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