ErfüllungWorum geht es im Leben? Womit sollen wir unsere Zeit verbringen bis wir sterben? Dieser Frage können wir über kurz oder lang nicht ausweichen und so sehr die konkrete Antwort darauf auch individueller Natur ist, so gibt es doch allgemeine Richtlinien, Orientierungsbahnen, die dem einzelnen dabei helfen eine Antwort zu finden. Diese grundsätzliche Orientierung funktioniert gerade deshalb, weil wir Menschen alle eine gemeinsame Natur teilen und weil es Übereinstimmungen gibt, die weitaus größer sind, als so mancher meinen mag. Jeder Mensch versucht die Qualität seines Lebens zu erhöhen, zu wachsen und seinen Einfluss auszunehmen. Darin liegt nichts Falsches, es ist schlicht und einfach das Bestreben der menschlichen Natur und sich diese Dinge zu versagen wäre gleichbedeutend mit dem Versagen des Lebens schlechthin. Das worum es nun im Leben wirklich geht, kann mit einem Wort zusammengefasst werden: Erfüllung!

Es sind drei Faktoren, die im Ergebnis für ein gelungenes Leben sorgen, ein Leben das als „erfüllt“ bezeichnet werden kann: Freiheit, Erfolg und Glück.

1-Freiheit

Frei ist der Mensch dann, wenn er die Kraft hat das zu tun, was er tun muss! Daraus ergibt sich der enge Zusammenhang zwischen Freiheit und Macht, denn ohne Macht ist es keinem Menschen möglich frei zu leben. Die Macht muss zumindest so weit gehen dass einer seine Pflicht erfüllen kann. Macht zu verachten oder die Beschäftigung damit zu scheuen bedeutet jedoch sich selbst vieler Möglichkeiten zu berauben und einem alten Mythos aufzusitzen, nämlich jenem, dass Macht ein „schmutziges Geschäft“ sei. An sich ist Macht völlig neutral, sie ist die Fähigkeit der Willensdurchsetzung. Ob diese nun gut oder schlecht ist, hängt nicht von der Möglichkeit zur Willensdurchsetzung ab, sondern vom Inhalt des Willen und der Vorgehensweise (den Werten). Ziele geben und Antworten auf das „Was“, Werte auf das „Wie“ im Leben. Erst daraus kann sich etwas Gutes oder Schlechtes ergeben, niemals aus der Macht an sich.

 

2-Erfolg

Erfolg bedeutet das zu bekommen, wozu man sich entschlossen hat. Erfolg hängt vor allem von der Energie ab, über die jemand verfügt, denn Energie ist die „Währung des Lebens“ schlechthin. Weiters braucht es eine genaue Kenntnis der eigenen Ziele und Werte im Leben, denn ohne diese kann überhaupt nicht festgestellt werden, ob man erfolgreich ist oder nicht. Die Energie muss auf die Ziele fokussiert werden, diese müssen zu einem „MUSS“ werden, ein bloßes „Sollen“ reicht zur Zielerreichen nicht aus. Man braucht ein starkes Verlangen, so dass man die nötige Motivation aufbringt all das zu tun, was notwendig ist, um diese Ziele zu erreichen. Dies wiederum erfordert einen Charakter, der sich durch Mut und Durchhaltevermögen auszeichnet. Erfolg erfordert einerseits eine genaue Kenntnis dessen, was man will und andererseits die Bereitschaft alles zu tun, um diese gewollten Dinge auch zu erreichen.

 

3-Glück

Glück wird oft missverstanden, als etwas, das einem zustößt, eine Ansammlung von glücklichen Umständen, die sich ereignen. Das Problem damit besteht jedoch darin, dass diese Umstände außerhalb der Kontrolle des Individuums liegen und sein Leben davon abhängig zu machen, heißt seine eigene Macht zugunsten anderer und nicht-kontrollierbarer Umstände zu opfern. Diese Art von „Glück“ ist flüchtig und es besteht ständig die Gefahr, dass diese Umstände wieder verloren gehen – früher oder später wird dies auch geschehen. Sich auf solche Situationen zu verlagern, heißt im Grund alles andere als glücklich zu leben, sondern sich dem Zufall auszuliefern – einem Zustand der Unsicherheit. Wer wollte hier ernsthaft von „Glück“ sprechen? Untersuchungen zeigen, dass Leute, die einen solchen glücklichen Zufall erleben, zwar im Augenblick ein höheres Glücksniveau erleben, dieses aber bald wieder auf das „normale“, gewohnte Niveau zurückfällt und sich längerfristig sogar ins Gegenteil verkehrt. Das sieht man oft bei Leuten, die im Lotto gewinnen und nach einem Jahr weitaus unglücklicher sind, als sie es zuvor waren.

Ein anderer Irrtum in Bezug auf das Glück besteht darin, dass Menschen dieses selbst als das höchste Ziel ansehen, die vermeinen der Lebenssinn bestünde eben im Glücklichsein selbst. Damit verbunden ist immer die Gefahr des Hedonismus und das, was als „Tretmühle des Hedonismus“ bezeichnet wird, nämlich jener Umstand, dass das permanente Streben nach Sinneslust gerade dazu führt, dass man immer weniger Lust empfindet.

Was hier jedoch unter Glück verstanden wird, ist die Konzentration auf jene Dinge, die wirklich glücklich machen. Die Forschung gibt uns dazu eine klare Antwort. Es sind nur eine Handvoll Dinge, die uns wirklich und dauerhaft glücklich machen: Familie und Freunde, Kinder, körperliche Bewegung, Sex, gut essen und trinken, Aufgehen in einer selbst gestellten, unserem Können und Wissen angepassten, Aufgabe (Flow-Erlebnisse). Glücklich ist endlich vor allem derjenige, der sich selbst zu seinem besten Freund gemacht hat (siehe dazu Aristoteles). Diese Punkte sind derart „selbstverständlich“, dass es beinahe peinlich ist sie zu erwähnen, denn jede Großmutter könnte einem dies erzählen. Doch gerade darin liegt das Paradox unserer Zeit, dass Glück überall dort gesucht wird, wo es eben gerade nicht ist. Die beste Art dem Menschen sein Glück zu verderben besteht scheinbar darin, es direkt in seinen Schoß zu legen.

 

Sinn als einigendes Band

Sinn erhält das Leben dadurch, dass der einzelne sein Leben in einen größeren Rahmen setzt, dass er sich mit dem „großen Ganzen“ verbindet. Wer sein Dasein nur aus der eigenen kleinen Perspektive betrachtet, wer nicht über den „Tellerrand“ hinausblickt und sein Leben reflektiert, mit den Augen der anderen sehen kann, sich über den Alltag erheben kann, findet keinen wahren Sinn in seinem Leben. Ein solcher Mensch ist selbstabsorbiert und strahlt auch auf andere nichts Anziehendes aus. Wie Sokrates schon sagte: „Das unreflektierte Leben ist nicht wert gelebt zu werden.“ Freiheit, Erfolg und Glück sind an sich bloße Teilaspekte des werthaltigen Lebens und entfalten ihre volle Wirkung erst im gemeinsamen Zusammenspiel, welches unter den Überbegriff „Erfüllung“ subsumiert werden kann. Diese Erfüllung wiederum trägt zum Sinn des Lebens des einzelnen bei. Der Sinn des Lebens ist bei den meisten Menschen nicht etwas, das als große Überschrift über dem Leben steht, quasi ein vorherbestimmter „Titel“ der über dem „Skript“ des Lebens steht, sondern etwas das sich erst allmählich ergibt. Für viele ist der Sinn des Lebens mehr eine psychologische Bilanz am Ende des Lebens – so gesehen ist es kein Wunder, das die wenigsten Menschen in jungen Jahren den Sinn ihres Lebens kennen, denn dazu müssten sie in die Zukunft blicken können. Mit dem Sinn verhält es sich in den meisten Fällen wie mit der Weltanschauung und den Lebenseinstellungen im Allgemeinen. Sie entstehen erst durch unsere Handlungen und gehen diesen gerade nicht voraus, wie man gewöhnlich meint. Zuerst handeln wir, erst dann geben wir den Handlungen einen Sinn – das ist das „normale“ Vorgehen des Menschen, das allerdings in der Regel nicht bewusst ist. Trotzdem gibt es auch andere Menschen, seltene Ausnahmen, die eine Vorstellung vom Sinn ihres Lebens im Vorhinein entwickeln und dann danach handeln. Dabei handelt es sich stets um eine Art „Berufung“, die nicht nur im religiösen Bereich zu finden ist, sondern ebenso im weltlichen Bereich vorkommt. Oft erscheint diese Berufung wie „von außen“ gekommen zu sein (z.B. durch Gott) oder durch Einsichten, die im Zusammenhang mit der Reflexion über das eigene Leben entstanden sind. In jedem Fall ist die Suche nach dem Sinn des Lebens ein typisches Kennzeichen des Menschen und unterscheidet ihn vom Tier. Verneinen wir also nicht unser Menschsein, vermeiden wir diese Sinnfrage nicht, sondern stellen wir uns ihr mutig.

 

Ihr O. M.

 

Anhang:

Rezept von Katharina Elisabeth Goethe (die Mutter des Dichterfürsten) für ein „glückliches Leben“:

„Man nehme 12 Monate, putze sie sauber von Neid, Bitterkeit, Geiz, Pedanterie und zerlege sie in 30 oder 31 Teile, sodass der Vorrat für ein Jahr reicht. Jeder Tag wird einzeln angerichtet aus 1 Teil Arbeit und 2 Teilen Frohsinn und Humor. Man füge 3 gehäufte Esslöffel Optimismus hinzu, 1 Teelöffel Toleranz, 1 Körnchen Ironie und 1 Prise Takt. Dann wird die Masse mit viel Liebe übergossen. Das fertige Gericht schmückt man mit Sträußchen kleiner Aufmerksamkeiten und serviert es täglich mit Heiterkeit.“

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