Face powerMacht! Jeder möchte mehr davon und keiner will etwas davon hergeben – das ist die menschliche Realität und doch gibt es kaum etwas, das mehr abgestritten wird, als diese unverbrüchliche Wahrheit. Es verhält sich eben so wie mit den meisten Dingen im Leben, wenn es hart auf hart kommt: Man verneint in der Öffentlichkeit vehement, wonach das Herz sich in Wirklichkeit sehnt. Authentizität ist selten ein guter Rat, wenn man sich unter Menschen bewegt; das soziale Leben würde sie unmöglich ertragen, und gerade wenn es um Macht geht, ist die Verneinung derselben selbst eine beinahe immer notwendige Strategie um eben die Macht selbst zu erlangen. Besonders jene, die offiziell sich vom Machtstreben distanzieren sind selbst die perfidesten Machtmenschen schlechthin. Soweit so bekannt und im Grunde auch gut und das ohne zynisch dabei zu sein.

Macht ist an sich völlig neutral, weder gut noch schlecht, lediglich die derzeitige kulturelle Prägung bzw. Propaganda möchte sie als mit Übeln behaftet darstellen – im Wesentlichen deshalb, um nach Macht strebende Individuen schon im Keim zu ersticken, und ihnen ihre Lebensentfaltung zu versagen. Nach Max Weber ist Macht die Fähigkeit seinen Willen, auch gegen Widerstand, durchzusetzen. Man könnte auch sagen: Macht ist das Bestreben sich zu entfalten und sein Leben auf dem höchst möglichen Niveau zu leben – ein Bestreben, das sehr nobel und in völliger Übereinstimmung mit der Natur selbst steht. Es geht darum wie andere Menschen zu einem bestimmten Denken, Fühlen und Handeln gebracht werden können.

Macht ist unvermeidbar, sie ist ein notwendiges Ordnungsprinzip der Natur, wer sie nicht anerkennt oder glaubt sie „überwinden“ zu können, wer sie für ein Relikt aus alten Zeiten hält, lehnt sich gegen die Natur auf und beweist damit nur sein grundlegendes Unverständnis für die Wirklichkeit. Wir können sicher sein, dass wenn wir die Realität nicht sehen wolle, dass wir dann nur jenen in die Hände spielen, die von unserer Verdrängung und Ignoranz profitieren wollen. Wenn wir selbst nicht Macht ausüben, dann wird sie von anderen über uns ausgeübt und wir sind ihnen dann auf Gedeih und Verderben ausgeliefert. Macht ist heute präsenter denn je und je mehr die Beherrschung der Natur durch den Menschen zunimmt, desto größer wird auch der Spielraum der Macht. Ein großer Teil der Macht auf der Welt kann überhaupt nur deshalb ausgeübt werden, weil dieser umfassende Macht-Analphabetismus existiert. Es ist deshalb verständlich, dass jene, die über Macht verfügen kaum ein Interesse daran haben, dass die „anderen“ etwas über das Wesen und die Wirkung von ihr erfahren. Wenn aber Menschen nichts über Macht lernen, dann fehlt ihnen ein wesentliches Element, um ein erfolgreiches und erfülltes Leben zu führen; sie sind dann nicht im vollen Sinne des Wortes „wach“, sondern gleichen Schlafenden, bestenfalls Dösenden, die in unserer Welt immer weiter zurückfallen werden. Wer auf der Höhe der Zeit sein möchte, wer am Leben vollumfänglichen teilhaben möchte, der muss sich um Macht kümmern! Dazu besteht überhaupt keine Alternative.

Nach alledem was über Macht bekannt ist und nachdem ihre enorme Bedeutung für das soziale Leben den meisten, zumindest in der Theorie, durchaus bekannt ist, ist es umso erstaunlicher, dass der größte Teil der Menschheit aus machttechnischen Analphabeten besteht. Und auf den ersten Blick am erstaunlichsten ist es, dass niemand weniger von Macht versteht, als die Menschen in der so genannten westlichen Welt. Menschen in anderen Erdteilen, als in Mittel- und Westeuropa und Nordamerika, machen sich über Macht weitaus weniger Illusionen. Das kommt vor allem daher, dass die Täuschung der Menschen im Westen viel weiter fortgeschritten ist, als anderswo, dass die Menschen hier „weiter weg“ von der Macht zu sein scheinen und diese nur indirekt spüren, vor allem deshalb, weil sie durch das Medium Sprache (vor allem durch TV, Radio und Internet verbreitet) ständig vom tatsächlichen Geschehen und dessen Verständnis abgelenkt und irregeleitet werden. Die Menschen sollen nicht denken, zumindest nicht nach ihrer eigenen Fasson, dazu gibt es unzählige „Wächter“ (va. die linientreuen Medien), die dafür Sorge tragen, dass die Gedanken verführt werden und so ein qualifiziertes Denken über das eigenen Leben und das der eigenen Gesellschaft unterbleibt. Gedanken unterstehen immer einer Macht, sie sind niemals unkontrolliert – nur wenn wir diese Kontrolle nicht selbst ausüben, dann tut es ein anderer. Eine Möglichkeit Menschen vom Leben und der Verfolgung ihrer Interessen abzuhalten ist es sie mit den Problemen anderer und „der Welt“ zu belasten. Der größte Teil dessen, was etwa in den Nachrichten gebracht wird, hat für den Normalbürger keine Relevanz und es ist unsinnig diesen Informationen Zugang zum Bewusstsein zu gestatten. In der Praxis geschieht aber genau dies permanent – Nachrichtensendungen sind im Wesentlichen recht zweifelhaft, oft ein Zeit- und Energieverschwendung und eine der Gründe für die Konfusion der Menschen, ihrer mangelnden Konzentrationsfähigkeit und letztendlich für das Scheitern im Leben. Nirgendwo sind die Menschen mit der Realität weniger in Kontakt als im Westen und in den (arroganterweise und selbsttäuschend) so bezeichneten „modernen“ Gesellschaften.

Gerade die Vorgabe an Macht nicht interessiert zu sein, gehört zu den perfidesten Strategien um die Macht! Im Westen muss man vor allem auf jene schauen, die „moralisch“ auftreten, mit „Schuldgefühlen“ operieren, oft „Horrorszenarien“ malen und „Warner“ sind, die von „Werten“ und „Wertegemeinschaft“ und dergleichen sprechen – es sind jene Gestalten, die am machtlüsternsten von allen sind, ebenso, wie jene, die sich schwach geben oder nur „Gerechtigkeit“ wollen. „Unschuld“ und „Opfer-sein“ gehören zu den bevorzugten Machtstrategien in der heutigen Welt überhaupt, ebenso wie das „Besorgt-sein“ – sei es nun um die sozialen Entwicklungen oder den Klimawandel. Allen gemeinsam ist, dass es ihnen um Macht geht, dass sie dabei jedoch tunlichst vermeiden je von Macht zu sprechen und so den Menschen Sand in die Augen streuen. Wer will schon gegen „Gerechtigkeit“ sein? Wer will schon offen jemanden kritisieren, der „Gutes“ tun möchte? Wenn das nächste Mal so jemand auftaucht, dann lehnen Sie sich entspannt zurück und beginnen einfach zu lächeln.

Macht ist größtenteils ein soziales und psychologisches Phänomen, das im zwischenmenschlichen Kontakt entsteht und sich ständig in Bewegung befindet. Nichts dabei ist statisch, alles unterliegt einem permanenten Wandel. Daraus folgt, dass je klarer jemand die Wirklichkeit erkennt, dass je weniger einer von seinen vorgefassten Meinungen beherrscht wird und dabei gleichzeitig die Fähigkeit hat spontan und flexibel zu regieren und das „Richtige“ zu tun, weitaus bessere Chancen hat das Spiel um die Macht zu beherrschen, als jemand, der über diese Fähigkeiten nicht verfügt.

Macht braucht immer eine Handhabe, einen „Ansatzpunkt“ beim menschlichen Gegenüber. Dieser Ansatz besteht immer in der Gefühlswelt des anderen und hierbei in den meisten Fällen bei dem menschlichen Bedürfnis nach Liebe, Anerkennung und Achtung. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass wenn es um Macht geht immer mit Zu- und Abneigung und Respekt operiert wird. Wer es schafft, dass der andere mehr um die eigenen Zuneigung buhlt, als man selbst nach jener des anderen strebt, der beherrscht den anderen (zumindest in dieser spezifischen Situation), wobei die tatsächliche Stärke des Bedürfnisses hier dahingestellt bleiben kann, da es ausschließlich um die Erscheinung der Zuneigungsstärke geht und nicht um deren tatsächlich Stärke (die in der Regeln dem anderen unbekannt ist). Was dabei vergessen wird ist, dass Gefühle keine Tatsachen sind, nichtsdestotrotz den „Treibstoff“ für menschliches Handeln darstellen. Nachdem nun jede Machtausübung eine Kontrolle über die Gefühle eines anderen darstellt, ist der Schlüssel zur Macht in eben der Kontrolle der Gefühle zu finden. Dabei gilt die Regel, dass nur wer seine eigenen Gefühle beherrscht, auch jene von anderen beherrschen kann. Je leichter jemand in Emotionen gerät, desto weniger ist er in der Lage eine Sache zu beherrschen.

Die gute Nachricht besteht darin, dass Gefühl zwar blind sind und man sich nicht von ihnen leiten lassen darf, dass sie jedoch trotzdem wertvoll im Leben sind – als Antrieb, denn ohne Gefühle sind wir handlungsunfähig (es wäre also völliger Unsinn Gefühle zu unterdrücken!). Glücklicherweise sind Gefühle lernfähig, wir können sie erziehen uns so zu unseren Dienern machen, anstatt uns von ihnen beherrschen zu lernen. Was es dazu braucht sind: 1.) Geduld, da das Innehalten für Entspannung sorgt und der Feind jeder emotionalen Handlung ist, 2.) Achtsamkeit – sie folgt aus der Geduld und sorgt dafür, dass wir bewusst uns selbst und die jeweilige Situation wahrnehmen und 3.) Übung – die emotionalen Bahnen im Gehirn werden durch Wiederholung stärker, so dass auch hier der Spruch gilt, dass man durch Übung zum Meister wird.

Wenn man sich menschliche Gesellschaften ansieht, dann gelangt man schnell zur Erkenntnis, dass Menschen, sowohl als Individuen, als auch als Kollektive handeln, als ob sie einem Plan folgten, als ob ihr Leben innerhalb bestimmten Bahnen und auf Grundlage von spezifischen Prämissen abliefe, die, ironischerweise, den meisten nicht bewusst sind (wenngleich viele Individuen durchaus „Gründe“ angeben können für ihr Handeln: damit liegen sie doch in der Regel falsch). Dieses Phänomen ist der Psychologie schon länger bekannt und hat etwa bei Eric Berne seinen Niederschlag in der „Skriptanalyse“ gefunden, in der davon ausgegangen wird dass Menschen ihr Leben nach einem Drehbuch leben, das ihnen selbst nicht bekannt ist und das, nach Berne, bereits im Alten von sechs Jahren abschließend verfasst ist. Das restliche Leben ist dann das Ausführen der Anleitungen dieses Drehbuchs, sofern nicht eine erfolgreiche „Intervention“ geschieht und die unbewussten Entscheidungen korrigiert werden. Unabhängig davon, ob dieses Modell (und in der Psychologie handelt es sich immer um „Modelle“, nie um die Realität!) nun einigermaßen zutreffend sein sollte oder nicht, kann es uns auch beim Grundverständnis von Macht gute Dienste leisten. Macht ist nämlich im Grunde ein Spiel, zwar ein meist sehr ernstes Spiel, doch nichtsdestotrotz handelt es sich dabei um eine künstlich vom Menschen geschaffene „Realität“ und nichts was von unabdingbaren Regeln bestimmt würde. Die Spielsicht ermöglicht es einem auch nicht auf Gut und Böse zu achten, sondern auf die Auswirkungen der Handlungen es anderen – denn darum geht es bei der Macht. „Schuld“ beispielsweise ist im Spiel um die Macht unsinnig – es geht nur um Ursache und Wirkung, nichts weiter. Zudem ermöglicht uns diese Sicht die Handlungen anderer nicht persönlich zu nehmen, sondern „sportlich“, so wie wir im sportlichen Weltkampf anderen ihre Züge und Handlungen nicht vorwerfen, denn alle wollen legitimerweise gewinnen, so sollten wir auch, wenn wir die Macht aus höherer Perspektive betrachten, auf jegliche Vorwürfe verzichten (es sei denn sie sind selbst Teil des Strebens nach Macht). Wenn wir die Perspektive eines Spiels in Bezug auf die Macht einnehmen, lösen wir uns von dem, was unmittelbar vor unseren Augen abspielt und können das „Spielfeld“ „von oben“ betrachten – aus einer höheren Perspektive heraus. Wir entwickeln eine gewisse Leichtigkeit und sind besser in der Lage größere Zusammenhänge zu erkennen und das Handeln der anderen einzuschätzen, was aus der kurzsichtigen (va. emotionalen) Sicht heraus nicht möglich ist. Studieren Sie Menschen und sie erwerben das wichtigste Werkzeug im Verständnis der Macht, das ist das wichtigste Wissen, das es sich anzueignen gilt.

Lassen wir uns nicht täuschen! Die Beschäftigung mit Macht ist weder etwas Unmoralisches, noch etwas Schädliches für irgendjemanden. Ganz im Gegenteil: Durch das Studium der Macht können wir zu bessern, klügeren, erfolgreicheren und vor allem glücklicheren Bürgern, Eheleuten, Eltern, Kinder, Arbeitskollegen etc. werden. Freiheit, Glück, Erfüllung und Erfolg bleiben einem völlig machtlosen Menschen verwehrt, ja das Leben selbst ist ohne ein Minimum an Macht, nicht lebbar, gerade deshalb, weil für ein soziales Wesen, wir den Menschen, das Soziale weitaus mehr die Umgebung darstellt und beherrscht, als etwa die uns umgebende Natur. Lernen Sie es sich zu konzentrieren, nur jenen Gedanken und Informationen Zugang zu ihrem Geist zu gestatten, die für sie hilfreich sind und ihnen dienen. Kümmern sie sich vor allem nicht um Dinge, die sie nichts angehen und das umfasst den allergrößte Teil der Informationen, die uns gegeben werden (va. durch die Medien). Das Studium der Macht jedenfalls gehört zu den wenigen wirklich entscheidenden Dingen im Leben. Wenn sie die neue Geisteshaltung der geistigen Klarheit, der „Einfachheit“ des Denkens und der Fokussierung durch Übung und Achtsamkeit erworben haben, dann werden sie die Welt mit ganz anderen Augen sehen, ihre Stressniveau wird abnehmen und sie werden ein viel höheres Maß an Zufriedenheit und Souveränität erreichen als die allermeisten Menschen.

Ihr O. M.

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