Routine durchbrechenDas neue Jahr ist nun bereits ein paar Tage alt. Zeit, um mit einigen Gewohnheiten zu brechen. Ich meine damit hier allerdings nicht jene Dinge, die offensichtlich einer Veränderung bedürfen, bei denen wir unseren inneren Schweinehund überwinden müssen, also all jenes, was jedes Jahr aufs neue in gut gemeinten Neujahrsvorsätzen formuliert wird – nein, ich spreche hier von Dingen, die uns meist nicht bewusst sind und an die wir nicht sogleich denken, wenn von „Verhaltensänderung“ die Rede ist. Es geht viel mehr um jene Dinge, die wir leicht übersehen können, das was als selbstverständlich gilt und meist überhaupt nicht als Routine, sondern als Umgang mit der „Wahrheit“, bzw. der Realität verstanden wird.

Um mit Routinen zu verfahren, sollten wir uns von Zeit zu Zeit selbst einer geistigen Revision unterziehen, um herauszufinden, ob unsere, für uns typischen, Verhaltensweisen noch einen Sinn ergeben, oder ob wie sie besser durch andere ersetzen. Dazu bedienen wir uns am besten eines vierstufigen Prozesses:

  1. Bewusstwerden der Routine
  2. Hinterfragen, was der Nutzen der Routine ist
  3. Erweiterung der Perspektive durch Einnahme neuer Positionen
  4. Herausfinden, ob es einen besseren Weg gibt, gewohnte Dinge zu tun

 

Der Vorteil der Routine

Im Leben über Routine zu verfügen, ist an sich keine schlechte Sache, auch ist sie für jeden normal veranlagten Menschen unabwendbar, ist doch das Erschaffen und Durchführen von sich ständig wiederholenden Verhaltensweisen ein natürlicher Prozess unseres menschlichen Geistes. Die damit verbundenen Vorteile sind unbestritten und bilden ein wesentliches Element, um mit Routinen fortzufahren, vor allem dann, wenn wir uns unserer gewöhnlichen Verhaltensweisen bewusst geworden sind.

Routinen schaffen Sicherheit und entlasten den Geist, der sich ansonsten ständig mit Dingen beschäftigen müsste, die in einem Großteil der Fälle gleich oder ähnlich ablaufen, so dass damit meist nur wertvolle Energie verschwendet würde. Routine kann unsere Leben vereinfachen, Zeit und Energie freihalten für Dinge, die wirklich neu sind und unsere Aufmerksamkeit brauchen – kurzum: Routine hat ökonomische Vorteile.

 

Die Fallstricke der Routine

Aber es gibt bei der Routine auch nicht zu unterschätzende Nachteile, die die Vorteile in vielen Fällen sogar deutlich übertreffen können. Dies gilt vor allem dann, wenn ein Verhalten über lange Zeit hinweg geübt und niemals mehr einer Reflexion unterzogen wird.

Routinen können sich derart verfestigen, dass es uns kaum mehr möglich ist die Welt anders als durch diese Routine hindurch zu betrachten. Routinen bestehen nicht nur in Verhaltensweisen, sondern vor allem auch in Denkweisen und gerade in diesen liegt eine der größten Gefahren für unser Leben. Die wahre Ursache für viele Dummheiten im Leben liegt in einem starren Denken, also in einer verhärteten Routine, die Flexibilität verhindert und uns mitunter immer weiter von der Realität entfernt. So kann es geschehen, dass eine Routine, die einstmals sinnvoll war und uns gute Dienste leitstet, mit der Zeit zum größten Hindernis für unseren Fortschritt und unseren Erfolg wird. So werden wir mitunter sogar dumm durch unsere Routinen! Der Geist kann durch Routine sehr träge werden und je älter wir werden, desto weniger können wir dann auf der einen Seite den „Puls der Zeit“ wahrnehmen, andererseits verfestigst sich unsere Meinung immer stärker und wir glauben immer mehr die Welt sei verrückt geworden, anstatt uns der Realität zu stellen und zuzugeben, dass wir es sind, die immer weniger von der Wirklichkeit wissen.

Es gibt inzwischen eine Routine in vielen Teilen der westlichen Welt, gerade auch in West- und Mitteleuropa, die als „politische Korrektheit“ bekannt ist. In Wirklichkeit handelt es sich dabei um reine Prüderie, um Spießertum, eine moderne Art von Dummheit, da der Geist von „politisch Korrekten“ in dieser Idee erstarrt ist und Freiheit, Flexibilität und vor allem den Kontakt mit der Realität nicht mehr zulässt. Wenn du also „politisch korrekt“ bist, dann bist du einer modernen Manipulation zum Opfer gefallen, einem Abwürgen der Lebendigkeit, wie man es heutzutage nicht selten beobachten kann.

 

Die therapeutische Wirkung der Routinedurchbrechung

So hart und unangenehm es für uns auch sein mag, so sehr heilen wir uns doch selbst dadurch, dass wir bewusst unsere Routinen durchbrechen. Oft muss Medizin bitter schmecken, damit sie nützt, das gilt auch für den mentalen Bereich.

Durchbrich deine Routine öfters dadurch, dass du das Gegenteil von dem tust, was für dich üblich ist: bist du müde, so gehe aus, tanze, singe, unterhalte dich oder dergleichen, tue irgendetwas, das der Müdigkeit ganz und gar nicht entspricht. Umgekehrt, wenn du dich sehr aktiv fühlst, halte ein Nickerchen, schlafe oder meditiere. Es geht hier vor allem darum, dem eigenen „Instinkt“ entgegenzuwirken und die Erfahrungen, die du dabei machst, bewusst wahrzunehmen, zu registrieren, wie sich dadurch die Wahrnehmung der Welt verändert – das Fühlen, aber gerade auch das Denken. Bist du schüchtern, dann verhalte dich mutig, bist du extrovertiert, dann verhalten dich einmal introvertiert, schüchtern, gehemmt und erfahre, wie sich dies anfühlt. Der berühmte Samurai Miyamoto Musashi, der Autor des „Buches der fünf Ringe„, empfiehlt beispielsweis diese „Kontratechniken“ einige Mal. So soll sich etwa ein kleiner Mann im Kampf wie ein großer und ein großer Mann im Zweikampf gebärden.

Versuche die Welt mit den Augen anderer Menschen zu sehen, vor allem mit jenen von Menschen, mit denen du normalerweise nichts zu tun hast, die du mitunter überhaupt nicht ausstehen kannst. Dies wird dein Verständnis für andere Menschen verbessern und dich gleichzeitig mit Skills ausstatten, die es dir erleichtern mit Menschen der unterschiedlichsten Herkünfte und Weltanschauungen zurecht zu kommen. Wenn du es dir zur Gewohnheit machst, die Welt immer aus verschiedenen Perspektiven heraus zu betrachten, gerade auch aus jenen deiner Gegner, dann wirst du weitaus kompetenter im Bereich der Konfliktlösung werden und einen „Zugang“ zu immer mehr Menschen unterschiedlichster Art finden. Dadurch erlangst du im sozialen Bereich Respekt, denn Individuen, die in der Lage sind mit sehr unterschiedlichen Menschen zurecht zu kommen, sind ziemlich selten zu finden. Die meisten kommen am besten mit ihresgleichen zurande, bzw. mit Leuten, die nicht allzu sehr von ihnen selbst abweichen. Mit dem Großteil der anderen gibt es mehr oder weniger bedeutende Schwierigkeiten.

 

Einige simple Dinge, um seine Gewohnheiten zu durchbrechen

  • Steh‘ zu einer ungewöhnlichen Zeit auf und geh‘ zu einer für Dich ungewöhnlichen Zeit zu Bett
  • Wechsle, das Handgelenk, an dem Du deine Armbanduhr trägst: von rechts nach links und vice versa.
  • Tu Dinge mit der linken Hand, die Du ansonsten mit der rechten tust und umgekehrt.
  • Sage „nein“, wozu Du gewöhnlich „ja“ sagst.
  • Iss und trink Dinge, die Du normalerweise nicht anrühren würdest.
  • Stelle Dich einmal bewusst auf die Seite von gesellschaftlichen Außenseitern, von Leuten, die von der Mehrheit abgelehnt werden. Habe zum Beispiel Verständnis für Menschen, die abergläubisch sind, die nichts von politischer Korrektheit halten oder radikale, ja vielleicht sogar kriminelle Lösungen für Probleme propagieren. Wie sieht die Welt aus der Sicht dieser Menschen aus? Gibt es Punkte in ihrer Denkweise, die durchaus logisch und vernünftig sein könnten?
  • Trage einmal Kleidung, die Du ansonsten niemals anziehen würdest. Kleider machen Leute und die Veränderung des Stils, der Farbe etc. auf diesem Gebiet wirkt sich stets deutlich auf das Lebensgefühl aus. Welches sind Deine Lieblingskleidungsstücke? Wie fühlt es sich nun an etwas völlig Ungewöhnliches zu tragen?

Euer O. M.

 

 

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