ReisenEs heißt, um seinen Horizont zu erweitern, wäre es gut auf Reisen zu gehen, ferne Länder sich anzuschauen und mit fremden Kulturen in Kontakt zu kommen. Schon der französische Humanist und Philosoph Michel de Montaigne empfahl im 16. Jahrhundert das Reisen als Mittel gegen Engstirnigkeit. Er selbst legte ein deutliches Zeugnis dafür ab, reiste er doch selbst durch halb Europa und machte dabei manch erstaunliche Entdeckung, die ihn sein eigenes Heimatland Frankreich in einem ganz anderen Licht sehen ließ.

Kann man diesem Rat jedoch uneingeschränkt folgen und ist es überhaupt ein guter Rat für jeden? Wie bei den meisten Dingen und generellen Ratschlägen lohnt es sich auch hier einen genaueren Blick auf die Sache zu werfen. Wie sieht es etwa mit einem einfältigen Menschen aus, der die Welt bereist? Mag er noch so weit kommen, mag er noch so viele Dinge sehen, die ihm fremd sind, er wird doch immer nur aus seiner kleinen Narrenwelt heraus die Welt betrachten und am Ende auch der längsten Weltreise wird er völlig unverändert zurückkommen. Wer als Narr in die Welt hinausgeht, der kommt auch meist als solcher zurück.

Es braucht also eine bestimmte Bereitschaft, eine gewisse Geisteshaltung, die bereits vor dem Antritt einer Reise vorhanden sein muss, ansonsten kann der Geist neue Eindrücke nicht wirklich aufnehmen und verarbeiten. Wer sich der Welt mit einem engen Geist nähert, der spuckt alles wieder aus, was er nicht in ein vorgefertigtes Muster einordnen kann. Von einer „Bildung“ kann hier keine Rede sein.

Die Reiseindustrie hat dies erkannt und bietet für viele Leute Reisen an, die zwar bis weit in die Ferne gehen mögen, aber keinerlei geistige Offenheit beim Touristen voraussetzen. So kann einer sein und bleiben wie bei sich zu Hause und ändert lediglich das Klima, die Landschaft und mitunter die eine oder andere Person, mit der er zusammen ist. Wer sich für diese Art des Reisens entscheidet, der darf sich nicht wundern, wenn er nichts Neues in sich aufnimmt, wenn er nichts dazulernt. Doch das ist meist ohnehin niemals sein Bestreben gewesen.

Euer O. M.

 

 

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