Prinz Eugen von SavoyenAm Höhepunkt seiner Karriere gehörte er zu den meist bewunderten Männer seiner Zeit. Er hatte militärischen Erfolg an Erfolg gereiht, sich als Staatsmann, als umfassend gebildeter Zeitgenosse, der sich für Philosophie und Wissenschaft interessierte, einen Namen gemacht und bereicherte überdies die abendländische Kultur mit den herrlichen Bauwerken, seinen Schlössern, die er sich errichten ließ. König wie Ludwig XIV. und Friedrich der Große bewunderten ihn und besonders im deutschen Raum wurde sein Name zum Synonym für einen erfolgreichen, ja übergroßen, Feldherrn. Österreich und Deutschland ließen noch im 20. Jahrhundert Kriegsschiffe nach ihm benennen: Prinz Eugen von Savoyen.

 

I. EIN PRINZ VON SCHMÄCHTIGER GESTALT

Alles hatte denkbar schlecht begonnen: Obwohl aus hochadeliger Familie stammend, mit Vorfahren sowohl aus dem spanischen, als auch aus dem französischen Königshaus, sprach alles gegen eine Karriere des jungen Savoyers. Er war von sehr kleiner Gestalt, kaum größer als ein-Meter-50 groß, ein sehr kränkliches Kind und zu allem Übel noch mit einem hässlichen Äußeren gestraft: Stumpfnase, große Schneidezähne, überhängende Augenlider – alles in allem war er eine grauenhafte, gnomenhafte Erscheinung, die bei Hofe verachtet und gemieden wurde. So entschloss sich die Familie, den am 18. Oktober 1663 in Paris geborenen, Spross der Kirche zu übergeben – eine geistliche Laufbahn schien noch das Aussichtsreichste für den jungen Mann. Alleine er selbst wollte nicht. Zwar erhielt er früh die Tonsur, lehnte sich jedoch innerlich dagegen auf und strebte weiterhin eine große weltliche Karriere an. Unbeirrt glaubte er stets daran zu Höherem berufen zu sein – ein Glauben, den niemand mit ihm teilte. Der Prinz verfügte jedoch über Eigenschaften, die zeitlebens ihn auszeichnen sollten: großer Mut, einen sehr weiten geistigen Horizont, sowie ein wildes Draufgängertum. Obwohl ein Haudegen, hatte er diese Kühnheit, wie bei Alexander dem Großen, Methode; sie war keine Schwäche, die sich aus einer überschäumenden Lebensenergie und wenig Versand speiste. Ganz im Gegenteil, Prinz Eugen war ein „honnête homme“ par excellance, der Nachfolger des „Renaissance-Mannes“ im 17. Jahrhundert, so wie ihn Baldassare Castiglione in seinem Buch „Vom Hofmann“ geschildert hatte: Umfassend gebildet, versiert im Umgang mit Menschen, offen für wissenschaftliche und technische Neuerungen. Der Prinz besaß darüber hinaus ein ausgesprochenes Talent für Mathematik.

Im Frühjahr 1683 schritt der Prinz zur großen Tat. Er bat in einer Audienz bei König, Ludwig XIV., um die Aufnahme in die königliche Armee, was der König mit Geringschätzung ablehnte. Zu schmächtig, zu schwach für einen Mann des Krieges erschien dem Sonnenkönig der Zwerg. Ludwig was schließlich der mächtigste König des 17. Jahrhunderts und ein Großteil seiner Macht stützte sich auf seine Streitkräfte. Tief gekränkt flieht Prinz Eugen aus Frankreich und schwört, dass er nur „mit dem Schwert in der Hand“ je wieder nach Frankreich zurückkehren würde.

 

II. EIN LEBEN IM DIENSTE DES KAISERS

1683 wurde Wien von den Türken belagert und der in Bedrängnis geratene Habsburger-Kaiser Leopold I. konnte jede nur erdenkliche Hilfe gebrauchen. Als nun der „Flüchtling“ aus Frankreich, dieser hässliche Gnom aus dem Geschlecht der Savoyer, sich anbot in österreichische Dienste zu treten, wurde er sofort angenommen. Zusammen mit Herzog Karl von Lothringen kämpfte sich Prinz Eugen nun vom Kahlenberg hinunter bis in die Stadt Wien durch. Er wurde bald zum Oberst befördert und war in der Folge an jedem Krieg seiner Zeit, von 1683 bis kurz vor seinem Tod 1736, beteiligt. Selbst noch 1735 war er im Polnischen Erbfolgekrieg aktiv gewesen. Die militärische Stoßrichtung ging nun gegen den Balkan. 1687 wurde Eugen zum Feldmarschallleutnant und mit dem Goldenen Vlies ausgezeichnet. 1697 wurde er Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee. Sieg an Sieg reihte der große Feldherr; im Friede von Karlowitz 1699 räumten die Türken Ungarn und Siebenbürgen – Österreich stieg nun endgültig zur Großmacht auf.

Dann, 1701, brach der Spanische Erbfolgekrieg zwischen Frankreich und Österreich aus. Der Konflikt weitete sich bald zu einem gesamteuropäischen Krieg aus, in den die anderen Großmächte involviert waren. Bald stehen Österreich, England, Schweden, Preußen und das Deutsche Reich gegen Frankreich – nur Bayern stellt sich auf die Seite Ludwigs XIV. „Alle gegen Frankreich“ lautete nun das Motto. Prinz Eugen, wie immer im Kriegsdienst, bewies auch hier sein Geschick. Durch hervorragende Koordination mit England, vor allem mit dem Herzog von Marlborough, John Churchill, gelang es Frankreich empfindlich zu schlagen. Churchill errang in den Schlacht bei Blenheim (dt. Blindheim) ewigen Ruhm und gilt seither als einer der ganz großen Kriegshelden Englands. Für Österreich war es das erste Mal seit 150 Jahren, seit der Zeit Karls V., dass es Frankreich auf dem Schlachtfeld besiegen konnte. Prinz Eugen stürmte die nordfranzösische Stadt Lille und machte damit seine Prophezeiung, nur mit dem Schwert in der Hand nach Frankreich zurückzukehren, wahr. Der Sonnenkönig machte ihm Angebote für Frankreich zu kämpfen, doch es war zu spät. Zeitlebens hatte der Prinz nur noch einen Herrn, dem er treu ergeben war: den Kaiser. Ludwig erkannte nun seinen Irrtum, den er vor Jahrzehnten begannen hatte, als er dem Prinzen den Dienst in seiner Armee versagt hatte. 1713/14 endete der Krieg durch die Frieden von Utrecht und Rastatt.

Kurz darauf brach der Krieg erneut mit der Türkei aus und Prinz Eugen kämpfe wieder auf dem Balkan. 1717 errang er einen seiner größten Siege in der Schlacht von Belgrad. Im Frieden von Pessarowitz 1718 erhielt Österreich das Banat, die kleine Walachei, Nordserbien und Teile von Bosnien. Für Österreich war es einer der größten militärischen Triumphe aller Zeiten. Der in der Schlacht leicht am Arm verwundete Prinz Eugen zeigte sich in der Folge als Staatsmann mit Weitblick, indem er deutsche Kolonisten in Siebenbürgen ansiedeln ließ. Diese Gruppen von Kolonisten aus dem süddeutschen Raum sollten als „Donauschwaben“ bekannt werden und bildeten noch bis ins 20. Jahrhundert hinein den wesentlichen Teil der Bevölkerung in Siebenbürgen.

Der Ruhm Prinz Eugens stand an seinem Höhepunkt, Peter der Große bot ihm sogar die polnische Krone an. Der Prinz engagierte sich in der Baukunst, ließ große Barockbauten errichten und unterstütze auch die Wissenschaft tatkräftig. Den Philosophen Leibnitz regte er zur Erstellung seiner umfassenden Metaphysik an. Im Krieg selbst sah der Prinz den eigentlichen Zweck im dauerhaften Frieden. Der letztgültige Sinn des Krieges besteht im Frieden. Als der Feldherr am 21. April 1736 starb, war er längst zur Legende geworden. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass einer der größten Deutschen aller Zeiten ein Franzose war, sowie dass gerade einer der größten Feldherrn aller Zeiten einer der körperlich kleinsten war.

 

III. INTERPRETATION

Wir Menschen haben einen natürlichen Hang dazu andere nach dem Äußeren zu beurteilen. Zudem ist der erste Eindruck meist so stark, dass er sich sehr lange hält, ja in vielen Fällen bleibt er die geistige Grundlage zur Beurteilung eines anderen, selbst über viele Jahre hinweg. Gegen diese Tendenzen muss man aktiv vorgehen. Wir müssen uns angewöhnen uns ein Urteil über andere erst nach und nach zu bilden und der Versuchung widerstehen aufgrund eines Eindrucks oder einer Gefühlsbewegung auf das Wesen des anderen zu schließen. Menschen nach dem Äußeren zu beurteilen ist nicht rational – die Vernunft ist aber das, was uns vom Tier unterscheidet und uns besser handeln lässt als dieses. Menschen zu vorschnell zu beurteilen ist sehr gefährlich, ist meist ein Zeichen eines übergroßen Egos, verstärkt nicht selten durch eine ordentliche Portion Arroganz. Ist ein Mensch fähig, sollten wir darauf achten, dass er für uns arbeitet, denn sonst sehen wir ihn bald bei der Konkurrenz gegen und „kämpfen“, vor allem dann, wenn wir ihn auch noch erzürnt haben. Fähige und willensstarke Menschen machen ohnehin ihren Weg, sie sind nicht aufzuhalten; es ist also besser sich ihrer zu bedienen, als sie als Gegner zu haben.

Kriegsführung hat mit dem Geist zu tun, nicht so sehr mit der Körperkraft. Mit zunehmendem technischen Fortschritt gilt dies immer mehr und heute ist dem fast ausschließlich so. Damit der Geist jedoch seine Kraft voll entfalten kann, muss der Charakter geschult werden. „Herzensbildung“ ist gerade im Kampf besonders wichtig. Vergessen wir nie, das das Wort „Courage“ von Herzen (cœr) kommt. Mut findet sich im Herzen. Bei der Kriegsführung muss man sich über das Schlachtfeld erheben, das größere Ganze sehen, sonst sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Was beim einfachen Soldaten normal ist, darf sich der General niemals erlauben. Allerdings ist der Krieg selbst in die Welt der Politik eingebettet und auch der General muss seinen Blick noch erweitern, um selbst noch über den Krieg hinauszublicken.

Der wahre Sinn des Krieges liegt im dauerhaften Frieden. So oft dieser Satz von zynischen Menschen missbraucht wird, so sehr liegt doch im „Ci-Vis-Pacem-Para-Bellum“ (Willst du Frieden bereite dich auf den Krieg vor) eine große Weisheit. Gerade die erfahrensten Soldaten, die alten Haudegen und Veteranen sind es, die den Frieden am meisten lieben und zu schätzen wissen. Wer „Hurra Krieg!“ ruft, ist noch ein Grünschnabel und weiß nicht wovon er spricht oder er hat nichts verstanden. Nach Sun Tzu gibt es vier Arten der Kriegsführung: die edelste Art ist jene, bei der kein Blutvergießen stattfinden; die zweitedelste ist jene bei der Allianzen geschlossen und jene des Gegner zerstört werden; die drittedelste Art ist die offene Feldschlacht; die schlechteste Art der Kriegsführung schließlich ist es Städte zu belagern. Nachdem der Krieg auch heute noch nicht von der Erde verschwunden ist, sollten wir uns zumindest bemühen, dass nur noch die erste und zwei Art der Kriegsführung nach Sun Tzu zur Anwendungen kommen.

Man darf niemals den Glauben des Menschen an seine eigenen Fähigkeiten verlieren, denn dieser kann Berge versetzen. Gerade der Glaube, der durch nichts erschüttert werden kann, vor allem nicht durch andere Menschen, ist der größte von allen – aus ihm erwachsen die großen Taten der Menschen. Soziale Beeinflussung ist extrem gefährlich, denn Worte von Menschen sind niemals neutral, jeder Mensch verfolgt Absichten mit seinen Aussagen. Es macht im Allgemeinen wenig Sinn auf „Ratschläge“ anderer zu hören, vor allem dann nicht, wenn diese ungefragt erteilt werden. Am besten ist es solche zu ignorieren. Worte sind selten wahr, eine Spur von Unwahrheit findet sich bei den meisten. Was jedoch niemals lügt ist die Realität der Fakten. Der Glaube an sich selbst, der auf der eigenen Erfahrung und Sinneswahrnehmung, sowie jenem Bereich, den man als „Intuition“ (sprich unbewusstes Wissen) beruht, kann man trauen. Niemand kann einen Menschen aufhalten, der zu einer Sache entschlossen ist und er bereit ist jeden Preis dafür zu bezahlen! Zähigkeit und Charakterstärke sind weitaus bedeutender als Talent. Talente kommen häufig vor, Menschen von starkem Charakter hingegen sind selten. Menschen mit einem offenen Geist können ihre Fähigkeiten oft auf viele verschiedene Bereiche übertragen. Zudem ist die starke Neigung zu einer Sache weitaus entscheidender für deren Wahl, als das Talent, das einer besitzt. Hat einer ein Talent, fühlt sich aber zu einer anderen Sache hingezogen, für die er kein Talent besitzt, so ist es weiser sich für die Neigung und gegen das Talent zu entscheiden.

  

IV: LEHREN

* Beurteile Menschen nie nach dem Äußeren oder nach dem ersten Eindruck.

* Charakterstärke, nicht Talent ist im Leben entscheidend, denn der Charakter, nicht das Talent, ist des Menschen Schicksal.

* Bei der Kriegsführung kommt es vor allem auf den Geist, nicht auf den Körper an.

* Erhebe dich über das Schlachtfeld, sieh das große Ganze, erweitere stets deinen Horizont.

* Der Glaube an sich selbst versetzt Berge.

* Der Sinn des Krieges besteht im dauerhaften Frieden.

* Stelle fähige Leute an, die für dich arbeiten, sonst wird es die Konkurrenz tun.

* Mit einem offenen Geist kann man Fähigkeiten in einem Bereich, den man kennt, auf einen anderen, noch unbekannten, übertragen.

 

Euer O. M.

 

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