Mythen 3Es ist immer wieder erstaunlich, wie wenig im täglichen Leben nachgedacht wird, wie wenig Gebrauch die meisten Menschen von ihrem rationalen Denken machen. Ja, es ist ja auch nicht leicht, denn Denken kostet Energie und solange man keinen Vorteil darin sieht, der die Motivation aktiv zu werden bildet, so lange überlässt man seinen Geist sich selbst und funktioniert mehr auf Basis von automatischen, lang eingeübten Prozessen, als selbst das Ruder des Gedankenflusses in die Hand zu nehmen. Dummheit entsteht durch die vielen kleinen unvernünftigen Vernachlässigungen im Leben, dadurch dass man in den kleinen Dingen schlampig oder denkfaul ist. Es sieht so aus, als ob kleine Irrationalitäten verzeihlich wären, doch zusammengenommen ergeben sie auch einen großen Haufen „Mist“. Die ganze Sache wird umso schlimmer, je mehr eine irrational denkende und handelnde Person Einfluss auf das Geschick anderer Menschen nimmt.

Die Grundannahme hinter rationalem Denken ist natürlich, dass dadurch die Lebensergebnisse und damit die Lebensqualität verbessert werden. Dabei handelt es sich jedoch nicht um eine Glaubensüberzeugung, sondern um gesichertes Wissen. Die Überprüfung dieser These kann jederzeit von jedem vorgenommen werden. Ob rationales Handeln zu höherer Lebensqualität führt, als irrationales, ist im Grunde der Test des Lebens schlechthin.

In diesem ersten Teil stelle ich 10 Mythen vor, die sich hartnäckig in den Köpfen vieler halten. Sie können vor einer rationalen Prüfen nicht bestehen. Dies soll anhand von einigen Argumenten aufgezeigt werden.

 

  1. DIE GESCHICHTE WIEDERHOLT SICH

Die Ansicht, dass sich die Geschichte wiederhole ist sehr weit verbreitet und gibt vielen das Gefühl Bescheid zu wissen. Wenn man sich dann die Welt ansieht, meint man leicht „alles schon gesehen, alles schon bekannt“. Meist wird einfach die Entwicklung in der jüngsten Vergangenheit in die Zukunft projiziert, nichts weiter. Es ist für den Menschen offenbar leicht anzunehmen, dass, was gerade passiert ist, würde auch weiterhin sich so verhalten, als dass dem nicht so sei. Wir scheinen viel mehr auf das Statische zu bauen, als auf die Möglichkeit der Veränderung. All dies beruht auf einem grundlegenden Nichtverstehen dessen, was die Dinge, die wir wahrnehmen, tatsächlich bewirkt. Zudem hat das menschliche Gehirn die Tendenz Muster zu erkennen und sich daran zu orientieren. An sich nichts Schlechtes, doch gefährlich wird diese Fähigkeit, wenn dort, wo es objektiv kein Muster gibt – im Chaos -, solche künstlich erschaffen werden. Die Muster, die wir erkennen, existieren nicht in der Welt, sondern in unserem Geist, die von diesem erschaffen werden. „Mustererkennung“ ist oft Erschaffung von Mustern, nicht deren Feststellung. So fallen Millionen Menschen auf die „Chartillusion“ herein, wenn es um Geldanlagen geht. Darunter versteht man die falschen Vorstellungen, die durch grafische Darstellungen von Preisentwicklungen entstehen. Hat sich in der Vergangenheit ein Wert gut entwickelt, so ist es umso leichter frisches Kapital zu gewinnen (die Manipulation, die mit der entsprechenden Einstellung der Skalen verbunden ist, sei hier einmal vorweg gelassen). Fakt ist, dass die Vorstellung, dass sich die Vergangenheit wiederhole, niemals bewiesen wurde. Diese Annahme deutet auf ein falsches Verständnis der wahren Faktoren, der Wirkungskräfte, hin, die tatsächlich für die Erscheinungen verantwortlich sind. Welche fatale Auswirkungen dieses Denken haben kann, erkennt man etwa am Beispiel von Investitionsentscheidungen. Die Zukunft ist ungewiss, daran lässt sich nichts ändern. Die Annahme die Geschichte wiederhole sich, bewirkt die Illusion der Kontrolle und blendet den Zufall aus, der ein wesentlicher Bestandteil des Lebens ist (Zufall ist eine abstrakte statistische Größe, die das Nicht-Vorhandensein von Kräften beschreibt, nicht eine aktive Kraft, die auf das Geschehen einwirkt!). Zudem bewirkt der Glaube an Geschichtszyklen, dass dem Gehirn die aktive Denkarbeit abgenommen wird. Der Mensch unterschätzt stets, wie sehr sein Leben dem Zufall und der Veränderung unterliegt – die Vorstellung von Gleichförmigkeit entspricht nicht der Lebensbeobachtung, sondern mehr der selektiven Wahrnehmung und dem Bedürfnis nach Sicherheit, Stabilität und Vorhersehbarkeit. Ein Beispiel ist etwa die Annahme ein Mensch ändere sich nicht mehr (zumindest ab einem bestimmten Alter). Auch diese Annahme ist hinlänglich widerlegt. Der Mensch besitzt die Fähigkeit zur Lebensänderung (auch zur Totalreform) in jedem Lebensalter. Wir wissen heute, dass die Gehirnzellen in jedem Alter neu gebildet werden und stets neu „verbunden“ werden können. Eng mit der Annahme die Geschichte wiederhole sich ist auch die Vorstellung der Mensch bliebe immer derselbe verbunden. Untersuchung zeigen deutlich, dass das Bewusstsein der Menschen vor 100, 500 oder 1000 Jahren ein völlig anders war, als wir es heute vorfinden. Der Mensch mag zwar genetisch seit Jahrtausenden kaum eine Änderung erfahren haben, doch entscheidend ist nicht das Vorhandensein des entsprechenden Genmaterials, sondern wie sich dieses manifestieren kann und hier besteht ein enormer Unterschied zwischen früher und heute. Man kann aus der Geschichte lernen, wenn man die entsprechenden Zusammenhänge versteht, aber nicht, wenn man Vergangenes stur in die Zukunft projiziert bzw. prolongiert. Das Entscheidende ist das Ursache-Wirkungs-Prinzip, nicht das Erscheinungsmuster!

 

  1. DENKE POSITIV

Diese Aufforderung geht von der irrationalen Vorstellung aus, dass unsere Welt (objektiv) durch unsere Gedanken beeinflusst würde. Solches kann wohl nur als magisches oder als Wunschdenken bezeichnet werden. Alle Untersuchungen zeigen, dass die Gesetze durch die das Universum gesteuert wird, völlig unabhängig von der Meinung oder den Gedanken, die wir über sie hegen, bestimmt werden. Die Vorstellung dass der Mensch die Welt erschaffe, entbehrt jeder Grundlage! Tatsächlich ist die Aufforderung positiv zu denken ein der schändlichsten Dinge, die man tun kann. Denn ein solches Denken schneidet einem immer von einem Großteil der Realität ab, es verlang die Konzentration auf jene Dinge, die wir als angenehm empfinden und trennt uns von jener Wirklichkeit, die dem widerspricht. Es zwingt uns zu einer selektiven Wahrnehmung, die nur das zulässt, was unserem Willen entspricht. Im Grunde liegt dieser Ansicht die kindliche Vorstellung zugrunde „Wenn ich es will, dann ist es auch so!“. Gerade Menschen, die Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung haben, verfallen leicht in einen kindlichen Regress und fallen auf allerhand Scharlatane herein, die sich diese Schwäche zunutze machen, um ihre eigenen schändlichen Ziele zu verfolgen (in der Regel Geld und Macht – narzisstische Bestrebungen). „Denke positiv!“ ist oft die Hoffnung von Leuten, die sich nicht imstande sehen ihren Verstand zu gebrauchen (oder diesem misstrauen) und aktiv auf das Leben einzuwirken, denn nur durch Handeln, nicht durch bloßes Denken alleine, verändert sich etwas. Denken geht dem Handeln voraus, aber es alleine bewirkt noch gar nichts. Solches zu glauben ist eine Illusion. Auch Faulheit kann dahinter stecken eine solche Geisteshaltung zu entwickeln, wie schon die angesprochene Hoffnungslosigkeit. Wenn positives Denken alleine genügte, um für Lebensqualität und Erfolg zu sogen, dann wären die Proponenten dieser Philosophie die glücklichsten und erfolgreichsten Menschen, die es gibt. Sie müssten dann alle Millionäre, glücklich verheiratet, völlig gesund etc. sein. Nun, der Blick und die Untersuchungen der entsprechenden Gestalten zeigt oft gerade das Gegenteil. Es sind die armen, erfolglosen, frustrierten, die zu solchen Mitteln greifen, weil sie darin die letzte und einzige Hoffnung für ihr Leben sehen. Vielleicht gehen manche überhaupt erst durch solche Vorstellungen am Selbstmord vorbei. Psychologen und Psychiater sind heutzutage nicht selten mit den Enttäuschten des positiven Denkens konfrontiert und helfen diesen dabei den Weg in die Realität wieder zu finden.

Heißt das nun, dass ich das negative Denken befürworte? Ganz und gar nicht! Negatives Denken hat einige Vorteile und kann uns vor großen Gefahren schützen, darin liegt ein wesentlicher Wert, doch deshalb gleich zum Pessimisten zu werden, halte ich für abwegig. Die einzig wirklich erfolgreiche Position im Leben besteht darin, indem Pessimismus und Optimismus, je nach Situation, angewandt werden aber keiner charakterlichen Disposition entsprechen. Beide Seiten haben Vor- und Nachteile und das Leben ist viel zu komplex, um sich ganz auf eine Seite zu schlagen. Positives Denken muss immer in der Realität verankert sein. So ist es gerechtfertigt auf einen positiven Ausgang zu hoffen, wenn man vom rationalen Standpunkt aus alles getan hat, was menschenmöglich war. Eine Garantie gibt es freilich auch dann nicht (wie bei allem im Leben), dass die Sache gut ausgehen wird. Zu glauben positives Denken mache das Leben gut, konnte niemals bewiesen werden. Und wir dürfen nicht vergessen: Ein Haufen von Anekdoten macht noch keine Daten!

 

  1. JEDER IST SEINES SCHICKSALS EIGENER SCHMIED

Dies ist eine zynische Äußerung von meist selbstgerechten Menschen, denen es gut geht und die auf andere, denen es schlechter geht, herabschauen. Im Grunde ist diese Aussage nichts anders als die Beruhigung des eigenen Gewissens. Wer sie ernst nimmt, der überschätzt völlig die Macht, die der Mensch über sein Leben hat. Es ist eine Ausgeburt der Kontrolle. Oft steckt hier dahinter die Weigerung Grenzen zu akzeptieren, insbesondere die Grenzen, die dem Menschen aufgrund seiner Natur gesetzt sind. Ebenso unterschützt wird wie häufig das Scheitern im Leben des Menschen ist. Dies ergibt sich wohl daraus, dass der Scheinwerfer der Aufmerksamkeit in der Regel auf die Erfolge und nicht auf die Misserfolge gerichtet ist. Wahr ist, dass der Mensch sein Schicksal beeinflusst, was jedoch falsch ist, ist dass er dieses sich selbst mache. Es gibt im Leben keine Garantier auf Erfolg, selbst wenn man alles richtig gemacht hat.

 

  1. VOR TAGESANBRUCH IST DIE NACHT IMMER AM DUNKELSTEN

Das ist eine überhebliche Aussage, die jemand äußerst, der für sich in Anspruch nimmt, der glaubt über etwas Bescheid zu wissen, über das man nicht Bescheid wissen kann – nämlich die Zukunft. Wer solches behauptet ,meint den gegenwärtigen Augenblick zu verstehen, dabei ist völlig klar, dass das Leben vorwärts gelebt wird und nur rückwärts verstanden werden kann (Kierkegaard). Wann der dunkelste Zeitpunkt in einer Entwicklung gekommen ist, weiß man erst im Nachhinein, in der Retrospektive, aber nicht in dem Moment, in dem sich eine Sache ereignet. Niemand weiß, dass jetzt gerade der Tiefpunkt eines Prozesses erreicht ist. Zudem gibt es überhaupt keine Garantie, dass der „Tagesanbruch“ überhaupt erlebt wird. Die „Rückfälle“ oder „Rückschläge“ vor dem „Tagesanbruch“ bleiben zudem unberücksichtigt. Dieser Aussage sollt zwar Trost spenden, doch verfehlt sie diesen Zweck völlig, sofern jemand auch nur halbwegs seines Verstandes mächtig ist. Sie wandelt sich unter genauer Berücksichtigung sogar in das genaue Gegenteil – die Verhöhnung.

 

  1. DAS LEBEN IST EIN SPIEGEL

Dies ist wieder eine nie bewiesene, recht naive, Aussage. Es gibt nicht den geringsten Hinweis darauf, dass zwischen innerer Einstellung und insbesondere Denken und den äußeren Erscheinung eine Korrelation besteht. Vielmehr deutet die Beobachtung des Lebens auf Gegenteiliges hin. Die Natur verhält sich uns gegenüber neutral, was auch immer wir über sie denken, beeinflusst keines ihrer Gesetze. Zudem ist das „Leben“ keine Person, hat also keine Gedanken, Gefühle oder Einstellungen gegenüber uns selbst. Was immer der Mensch auch tut, er kann sich der übergeordneten Wirkungskräfte nicht entziehen. Es ist die von Freud genannte kindliche Illusion allmächtig zu sein, die hier unverhohlen zum Ausdruck kommt. Ein gerüttelt Maß an Selbstüberschätzung und Selbstgerechtigkeit spielen ebenfalls mit. Allenthalten kann uns das Leben zeigen, wie wir die Wirkungskräfte verstehen und wie wir sie handhaben, um entsprechende Ergebnisse zu erzielen. Der Charakter hat Einfluss auf das Schicksal, das ist richtig, doch es gibt im Universum kein Prinzip der „Gerechtigkeit“, so dass Taten oder Gedanken auf einen selbst zurückfielen. Es gibt kein Prinzip der austeilenden oder ausgleichenden Gerechtigkeit in der Natur. Gerechtigkeit ist ein menschliches Konzept, keines das in der Natur vorgefunden werden kann. Darunter fällt gerade all der Unsinn, der heutzutage als „Karma“ auch in vermeintlich entwickelten Gesellschaften verbreitet wird. Wir sollten reif genug sein, um zu erkennen, dass es sich dabei um Scharlatanerie, um bloße Lüge handelt. Es ist für einen erwachsenen Menschen nicht hinnehmbar, dass das Leben ein Spiegel sei – so etwas gehört in den Kindergarten und sollte auch als solches benannt werden!

 

  1. WER DEN CENT NICHT EHRT IST DEN EURO NICHT WERT

Dies ist eine kleinliche, krämerische Haltung, die man am ehesten mit dem Begriff „Hühnchenklein“ kennzeichnen kann. Einerseits wird hier die Sparillusion angesprochen, andererseits beruhigen sich ängstliche Menschen (und nicht selten rechtfertigen sich damit die Geizigen) damit, wenn sie an allem festhalten, was sie haben. Wer jedoch zu sehr auf das Kleine achtet, übersieht das Große und wird dieses niemals erlangen. Die Haltung den Pfennig zu verehren, führt am ehesten dazu, dass man ein Leben lang nur von Pfennigen umgeben sein wird und das große Geld niemals sieht. Solche Menschen setzten all ihre Energie ein um ein paar Cents zu sparen, verpassen jedoch die Chance auf den Reichtum. Die Prioritäten sind einfach falsch gesetzt. Schließlich kann man von Cents nicht leben. Es sind Menschen, die sich im Detail verlieren und den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen können. Wer geizig ist, hat ein grundlegendes psychisches Problem, das weit über den materiellen Bereich hinausgeht. Ihm mangelt es am Genuss des Lebens an grundlegender Freigiebigkeit. Das allem zugrunde liegende Gefühl ist die Angst, die Angst zu wenig zu haben, die Güter der Welt seien zu begrenzt, dass der einzelne alles zusammenhalten müssen, um zu überleben. Das ist ein Modus der im 21. Jahrhundert völlig an der Realität vorbeiläuft. Es sind die Kleinkrämer, die gerade durch ihre Vorliebe für den Pfennig die „Mark“ nicht wert sind. Die positive Seite dieser Ansicht liegt jedoch darin, dass der Verschwendung Einhalt geboten wird – das ist aber auch das einzige, das hier zugute gehalten werden kann.

 

7. GELD MACHT NICHT GLÜCKLICH

Niemand wird ernsthaft behaupten Geld alleine mache glücklich. Dennoch ist Geld ein Glücksfaktor und dass es dem Glück schade ist ein Ammenmärchen. Tatsächlich kommt diese Aussage wieder aus einer Rationalisierung, nämlich sich selbst als moralisch überlegen zu fühlen, wenn man kein Geld hat. Es ist der verzweifelte Versuch des Armen wie die anderen gut dazustehen. Es ist wie die Aussagen „Geld ist nicht wichtig“. Wer solches sagt, der hat kein Geld und versucht dennoch gut dazustehen. Es ist wie mit den Trauben, die der Fuchs für sauer erklärt, weil er sie nicht erlangen kann. Ein primitiver Trick, der allerdings nur allzu leicht durchschaut wird. Frustration und Neid sind wieder die Quellen der Ansicht Geld mache nicht glücklich. Wer solches meint, übersieht die Vorteile, die Geld mit sich bringt. Geld macht frei, erweitert die Möglichkeiten im Leben und sorgt für eine gewisse Sicherheit. Alles Dinge, die der Arme nicht genießen kann. Es ist zwar richtig dass der bloße Besitz von Geld noch nicht glücklich macht, doch das Gegenteil zu behaupten ist völlig unsinnig. Es liegt keine Ehre, kein Vorteil in der Armut. Es ist die kaum verhüllte Abneigung gegen Menschen, denen es gut geht. Dieses Gutgehen kann vom Armen nicht akzeptiert werden, denn dann müsste er sich seiner Lebensrealität stellen und seiner Angst und Frustration ins Auge blicken. Das ist verständlicherweise viel zu schmerzhaft.

 

  1. DIE REICHEN WERDEN IMMER REICHER, DIE ARMEN IMMER ÄRMER

Wenn das wahr wäre, denn wären die Armen längst zu den Verhungernden geworden und ausgestorben. Die Welt hätte nur noch wenige Menschen, die im Besitz von allem wären, alle anderen Menschen hätten längst das Zeitliche gesegnet. Tatsächlich aber ist der Reichtum einer ständigen Schwankung unterworfen und es hat immer Zeiten gegeben in denen die Reichen ärmer und die Armen reicher wurden, sei es nun durch die natürlichen Umstände selbst oder durch künstliche Regelungen der Menschen. Diese Einstellung ist grundsätzlich falsch. Es geht dabei in Wirklichkeit aber überhaupt nicht um eine Beschreibung der tatsächlichen wirtschaftlichen Zusammenhänge, sondern um eine soziale Waffe, die die Armen gegen die Reichen verwenden. Einerseits können damit Minderwertigkeitsgefühle der Armen kompensiert werden, auf der anderen Seite scheint der Reichtum der Reichen dadurch ungerechtfertigt. So muss der Arme sich nicht seiner Verantwortung für seine Armut stellen und hat den Reichen als Sündenbock auserkoren. Es ist dies ein primitives Spiel des Menschen, das seit biblischen Zeiten (und in Wahrheit noch viel früheren Epochen) praktiziert wird. Dieses Statement ist ein Ausdruck der Unreife und Dummheit, eine Seelentrösterei – nichts weiter. Die einzige Ursache dafür ist der Neid der Armen auf die Reichen; die vorgeschobene „Gerechtigkeit“ ist nichts weiter als eine Rationalisierung. Es sind ja immer jene, die glauben benachteiligt worden zu sein, die nach Gerechtigkeit schreien – das ist ein altbekanntes Lied und wir sollten als Menschheit im 21. Jahrhundert reif genug geworden sein darauf nicht mehr hereinzufallen und die Dinge beim Namen zu nennen.

 

  1. WÄST DU NICHT REICH, WÄR ICH NICHT ARM

Hier gilt im Wesentlichen alles was bereits zu Punkt 8 gesagt wurde. Auch hier ist der Neid die wesentliche Triebfeder, gerade die Unmoral steht hinter dieser Annahme, wieder handelt es sich um eine Rationalisierung und die irrige Annahme der „Kuchen“ des gesellschaftlichen Reichtums sei begrenzt. In Wahrheit steht die Größe dieses „Kuchens“ niemals fest und jene, die zu dessen Vergrößerung beitragen, haben zurecht größeren Anteil daran, denn es ist ihr Verdienst, dass dem so ist. Alle anderen profitieren davon. Wieder sieht man hier die primitive Ansicht: „Die Reichen sollten sich schämen“ am Werk. Falsche Annahmen anderer Art sind hier ebenfalls zu bemerken, wie etwas, dass der Mensch des Menschen Feind sei. Wir wissen heute, dass der Mensch in erster Linie ein soziales Wesen ist und dass er viel eher auf seinen Mitmenschen achtet, als dass er ihn missachtet. Unsoziales Verhalten ist viel seltener als soziales. Wir haben nur eine fatale Neigung das Unsoziale derart zu beachten, dass uns die Wahrheit entgeht. Menschen sind ihrem Wesen nach unterschiedlich ausgebildet und begabt. Es gibt kluge und dumme, fleißige und faule, talentiert und untalentierte Individuen. Wer diese Unterschiede leugnet oder nivellieren möchte, verdrängt die Realität und handelt gegen die Natur des Menschen. Gerechtigkeit heißt nicht, dass jeder das gleiche bekommt, sondern, dass jedem das Seine gegeben wird. Um dies zu verstehen braucht es allerdings Verstand und der ist offensichtlich nicht jedem gegeben.

 

  1. BEI DEN REICHEN LERNT MAN DAS SPAREN

Dahinter steckt der Vorwurf des Geizes und die Illusion dass Reichtum ein Ergebnis von Geiz sei, allenfalls noch von Sparsamkeit. Es ist gerade im deutschsprachigen Raum ein weit verbreiteter Irrtum, dass man durch Sparen reich werden könne. Ein weiterer Irrtümer, die hier angesprochen werden ist, dass Reiche immer aus eigener Kraft reich geworden seine, wobei man natürlich das Glück und den Zufall ausschalten muss, die immer beim Reichwerden mitspielen, als auch die Annahme die Reichen wüssten immer was sie tun. Damit werden deren Fähigkeiten mitunter gewaltig überschätzt und ein neuer Mythos geschaffen oder, sofern bereits vorhanden, verschärft. Was allerdings grundsätzlich stimmt ist, dass man vom Reichen oft kluge finanzielles Nachdenken lernen kann. Insofern ist diese Aussage nicht völlig aus der Luft gegriffen.

Euer O. M.

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