Hartnäckige Mythen 2Dieser Text schließt nahtlos an den zuletzt veröffentlichten an, weshalb hier auch keine Einleitung erfolgt.

 

  1. UNRECHT GUT GEDEIHT NICHT

Dies ist wieder eine grundsätzlich unsinnige Aussage. Es gibt in unserer Welt keine an sich existierende Gerechtigkeit, kein Gesetz der Vergeltung aber auch keines der Belohnung. Die Frage nach der Gerechtigkeit ist eine soziale, menschliche, keine, die in der Natur existiert (die Natur kennt „gut“ und „böse“ nicht). Aus dem Umstand, dass Unrecht menschlich ist folgt, dass auch nur durch Menschen Unrecht „gesühnt“ und „vergolten“ werden kann. Wer also dem menschlichen Zugriff entkommt, dessen „Unrecht“ kann sehr wohl gedeihen. Was bleibt ist dann nur noch die internalisierte Norm, sprich das, was man Gewissen nennt. Dieses kann noch dafür sorgen, dass einer mit seinem Unrecht nicht glücklich wird. Ist das Gewissen jedoch nicht entsprechend geschult, so ergeben sich auch keine Schuldgefühle und in der Folge auch keinerlei negative Auswirkungen des Unrechts. So unangenehm es auch sein mag, der Gerechte kann durchaus der Dumme und der Ungerechte der Kluge sein. Die Beurteilung durch eine göttliche Vergeltung bleibt hier jedoch völlig unangetastet.

 

  1. HOMO-OECONOMICUS- IRRTUM

Der Mensch sei ein rationales Wesen und deshalb seien seine wirtschaftlichen Entscheidungen ebenfalls rational. Nun, darüber ist schon viel geschrieben worden und kaum einer glaubt heute noch daran, dass der Menschen an sich vernünftig handelt. Es ist schon richtig, dass der Mensch über Vernunft verfügt, doch ihr Gebrauch ist anstrengend und nur zu leicht kann sie verführt und ausgeschaltet werden. Einen kühlen Kopf zu behalten ist schwer, zudem wäre es eine geistige Überforderung stets rational handeln zu wollen – ein menschliches Gehirn ist dazu nicht in der Lage und es wäre auch gar nicht klug solches zu tun. Auf „Autopilot“ geschaltet zu haben ist tatsächlich in vielen Fällen des Lebens „vernünftig“ und richtig, gerade bei der Alltagsroutine, die ansonsten zu viel geistige Energie erfordern würde. Ähnlich verhält es sich mit der Sucht sein Leben ständig zu reflektieren. Wer dieser verfallen ist, verpasst das Leben selbst. Reflexion ist gut – hin und wieder in größeren Abständen, aber nicht als Dauerzustand – ein solcher Mensch wäre zutiefst neurotisch.

 

  1. DER SPATZ IN DER HAND IST BESSER ALS ZEHN TAUBEN AUF DEM DACH

Diese Ansicht ist nur bedingt wahr. Sie wird vor allem von ängstlichen Menschen geäußert, die eher daran glauben, dass die Dinge schlecht ausgehen und man sich deshalb greifen muss, was man kriegen kann. Gute Gelegenheiten, die Geduld erfordern entgehen so diesen Menschen – d.h. die besten Dinge im Leben entgehen ihnen. Dabei ist es ganz egal, ob es sich um materielle Dinge oder um andere handelt. Große Erfolge im Leben kommen dadurch zustanden, dass man ein Risiko eingeht (freilich keines, das man sich nicht leisten kann). Wer immer den Spatz wählt, der landet im Sumpf der Mittelmäßigkeit, nicht beim Erfolg.

 

  1. VIELE KÖCHE VERDERBEN DEN BREI

Stimmt nur, wenn alle Köche am selben Gericht kochen. Ist jedoch optimale Arbeitsteilung vorhanden, dann ist die Zusammenarbeit von Spezialisten sehr vorteilhaft. Entscheidend ist hier die Führung und Organisation des Teams.

 

  1. DEN CHARAKTER KANN MAN NICHT ÄNDERN

Menschen sind in jedem Alter fähig ihr Wesen zu ändern. Es gibt genügend Beispiele dafür, dass Menschen sich ändern können, selbst wenn sie schon in fortgeschrittenem Alter sind. Freilich ist das nicht der Regelfall und es stimmt auch, dass eine Lebensveränderung mit zunehmendem Alter schwieriger wird – man trägt zu viele geistige Prägungen mit sich herum, die man aufgeben müsste. Junge Leute haben insofern einen Vorteil, als sie weniger aufgeben müssen, um jemand anderer zu sein. Die Aussagen „bleib wie du bist“ oder „sei einfach du selbst“ können die schlimmsten Beleidigungen sein, die man einem antun kann. Was, wenn einer ein Schuft, ein Versagen ist, soll er dann ein solcher bleiben? Und was wenn einer sich ändern möchte, ihm sein Umfeld aber sagt, er soll so bleiben, wie er ist? Dann tut Änderung Not und man sollte sie unterstützen und einem nicht Hindernisse in den Weg stellen.

 

  1. SKEPTIKER SIND NEGATIVE MENSCHEN

Die wissenschaftliche Methode ist eine skeptische Methode. Sie hat sich bewährt im Umgang mit der natürlichen Welt. Problematisch wird es allerdings, wenn der Skeptizismus von einer bestimmten Untersuchungsmethode in Bezug auf bestimmte Herausforderungen zum Lifestyle wird. Dann ist der Mensch meist ein Pessimist. Im Kern bedeutet Skeptizismus sehr wohl auch Dinge zu glauben, denn ohne an Dinge zu glauben, kann der Mensch nicht leben, sondern der Skeptiker will sich nichts vormachen lassen. Es ist ja gerade die Liebe zur Wahrheit, die einen nicht alles glauben und kritisch hinterfragen lässt. Wenn der Skeptiker jedoch von vorne herein davon ausgeht, dass er angeschwindelt wird, dann ist er kein Skeptiker mehr, denn die Annahme des Negativen ist genauso ein Vorurteil wie die automatische Annahme des Positiven. Der Skeptiker möchte die objektive Wahrheit erkennen, sofern sie dem Menschen zugänglich ist – nichts weiter.

 

  1. STILLE WASSER SIND TIEF

„Wärst du ein Philosoph geblieben …“ Tatsächlich kann ein schweigender Mensch klug erscheinen und er kann es auch tatsächlich sein. Vielleicht redet einer aber auch nur Unsinn oder einer ist höflich genug nichts zu sagen. Mitunter steckt aber hinter Schweigen auch einfach nur Dummheit oder Ignoranz. Möglicherweise hat einer keine Meinung, kein Profil und hat deshalb auch nichts zu sagen.

 

  1. ALLES IST RELATIV

Eine populäre postmoderne Ansicht, aber in Wahrheit völliger Unsinn. Alles soll relativ sein? Dann ist die Aussage, dass alles relativ ist selbst auch relativ; somit wäre die Türe zum Absoluten doch wieder offen?! Ein Mensch, der konsequent alles relativ sehen will ist ein Fundamentalist, ein Absolutist. Sein Absolutismus heißt Relativismus! Welch lächerlicher Widerspruch darin steckt, begreift bald der Einfältigste. Nicht aber der relativistische Ideologe, denn Ideologen können nicht denken, da sie im Gefängnis ihrer Gedanken gefangen sind. Das ist so, wie wenn einer für alles offen ist. Wer für alles offen ist, der kann nicht dicht sein. Ein Mensch, der keine Grenzen hat, hat kein Profil und wer kein Profil hat, hat keine Persönlichkeit. Der Charakter eines Menschen besteht wesentlich in seinen Grenzen, in seinem Nein-Sagen zu Dingen aber mitunter auch zu Menschen. Gerade darin liegt das Menschsein, dass man bestimmte Dinge nicht gutheißt, sie nicht zulässt und zuweilen auch streng verurteilt.

 

  1. MAN KANN NICHT ALLES HABEN

Wieder eine Einstellung, die Mangeldenken zum Vorschein kommen lässt. Es sind ängstliche Menschen, die solches sagen, nur scheinbar sind sie Realisten. Es sind die gleichen Leute, die den Spatz in der Hand den Tauben auf dem Dach den Vorzug geben – und zwar aus Prinzip, nicht aus kühler Überlegung und Berechnung. Oft stecken falsche Bescheidenheit, Feigheit und Denkfaulheit hinter dieser Aussage.

 

  1. JEDER KRIEGT, WAS ER VERDIENT

Diese Aussage hängt eng mit Nummer 11 zusammen. Es handelt sich um einen esoterischen Irrtum, zuweilen auch eine Illusion. In östlichen Gegenden kann man darunter auch „Karma“ verstehen, welcher ein kultureller Irrtum ist, dem Millionen von Menschen zum Opfer gefallen sind und der wie ein Virus die Geister und Seelen infiziert hat – zum Nachteil der Menschheit.

 

Euer O. M.

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