AngerÄrger! Frust! Wer kennt sich nicht? Und wer wünscht sich nicht von ihnen befreit zu sein?! So einfach der Wunsch, so schwer ist doch die Umsetzung – und das hat seinen guten Grund, allerdings nicht jenen, den die meisten vermuten. Frust und Ärger gehören zu den unangenehmsten Dingen, die uns im Leben widerfahren – umso schlimmer ist es deshalb, dass sie keine Seltenheit sind, ja ganz im Gegenteil: Es hat den Anschein, dass je mehr es uns materiell gut geht, desto mehr werden wir von ihnen befallen. Wie kann das sein, wo wir doch in der Regel, zumindest als Kultur im Allgemeinen, davon ausgehen, dass Frustration und Ärger vor allem damit zusammenhängen, dass unsere Bedürfnisse nicht befriedigt sind. Und was wäre dabei nahe liegender, um etwas dagegen zu unternehmen, als den Wohlstand zu steigern? Doch diese Betrachtungsweise ist sehr kurzsichtig.

Wie entsteht nun Frust? Und wie entsteht daraus Ärger? Alles beginnt damit, dass wir uns eine Vorstellung davon machen, wie die Welt sein sollte. Wir stellen also der real existierenden Welt eine geistige Welt (unser eigenes Konstrukt) gegenüber und ziehen zwischen den beiden einen Vergleich. Ist diese Diskrepanz nun sehr groß, so entsteht das Gefühl, dass die Welt nicht in Ordnung sei, da sie unserem Standard nicht entspricht. Doch wie ist dieser Standard entstanden. Untersucht man was der durchschnittliche Mensch von der Welt möchte, so entdeckt man dabei vor allem vorgegebene Ziele und Wertvorstellungen. In der Regel sind es alles Dinge, die einem beigebracht wurden, die man haben soll, weil die Gesellschaft davon abhängig ist, dass die einzelnen Mitglieder genau dieses oder jenes wollen und nichts anderes. Im Kern ist es vor allem das Wirtschaftssystem, das ein bestimmtes Verhalten von den Menschen verlangt, damit es existieren kann. Jede Gesellschaft versucht ihre Mitglieder dazu zu bringen das zu tun, was sie tun müssen, damit die Gesellschaft in ihrer spezifischen Form bestehen bleiben kann. Soweit, so gut, doch sieht man sich die Sache genauer an, dann erkennt man sehr leicht, dass diese Sollenvorstellungen mit der Wirklichkeit nicht in Einklang gebracht werden können. Wer also Glück und Zufriedenheit davon abhängig macht, dass die Welt, die Welt der tatsächlichen Erfahrung, mit dem Bild im Geiste übereinstimmt, der hat sich selbst eine Welt des Unglücks geschaffen. Frust ist darin ein häufiger, wenn nicht gar ein Dauerzustand. Wenn dieser Frust nun ein Dauerzustand ist, dann kann daraus ein grundlegendes Gefühl des Ärgers entstehen, das bereits durch kleine Unannehmlichkeiten des Lebens aktiv ausgelöst (getriggert) werden kann. Die „unerklärlichen“ Wutausbrüche, die man hin und wieder bei Menschen erlebt, erklären sich aus einer tiefer liegenden Geschichte der Unzufriedenheit und eben nicht aus dem aktuellen Anlass heraus.

Ärger kostet eine Menge an Energie, Energie, die uns fehlt, wenn es darum geht unser Leben konstruktiv zu verändern. Zudem macht Ärger alt, hässlich und krank. Ärger entsteht aus einer Kränkung heraus und Kränkungen beherrschen heute das Leben vieler Menschen. Hinter fast allen schädigenden Handlungen von Menschen steckt eine oder mehrere Kränkungen, selbst wenn diese schon sehr lange her sein sollten. Im Kopf eines Menschen kann eine Kränkung enorme „Zinsen tragen und dann zu riesigen Ausbrüchen von Negativität führen, die für andere Menschen völlig unverständlich sind.

Es gibt nur einen Kernpunkt, den Nummer-1-Grund warum Menschen frustriert und verärgert sind: Der Hauptgrund warum du Frust und Ärger in deinem Leben erfährst liegt darin, dass du vom Anspruchsdenken beherrscht wirst!

Zu glauben, die Welt müsse einem etwas „liefern“ oder im schlimmsten Fall gar „bedienen“ ist die Sicht kleiner Kinder und ist erwachsenen, reifen Menschen unwürdig. Wir müssen erkennen, dass es im Leben mehr um das Geben, als um das Nehmen geht.

Die Welt schuldet dir überhaupt nichts! Das ist eine harte Einsicht, aber es führt nichts daran vorbei, wenn wir uns freimachen wollen. Tatsache ist, dass jede Verpflichtung, sei es in welcher Form auch immer (rechtlich, sozial, moralisch etc.), letztlich eine künstliche Schöpfung darstellt. Darüber hinaus geht beim Anspruchsdenken mit den meisten auch die Phantasie durch und sie bilden sich ein, dass sie ein Recht auf ein „gutes Leben“ auf Erfolg, Glück, Gesundheit und dergleichen hätten. In unserer Gesellschaft wird diese Phantasie ja ständig durch die Wirtschaft (vor allem über die Werbung), die Medien, die Politik und viele andere geschürt. Die gesellschaftliche Dimension dieses „Entitlement“-Denkens ist nachvollziehvoll, gehört aber nichtsdestotrotz zu den großen Mythen unserer Zeit. Es gehört nun zu den Aufgaben jedes einzelnen Individuums, zumindest jenes, das sich von Zwängen befreien möchte, diese Illusion zu durchschauen und im individuellen Leben aufzulösen.

Gib den Gedanken auf etwas zu sein oder zu haben! In Wahrheit sind wir alle nackt, alles, was wir glauben zu haben und zu sein, sind bloße Gedanken, in Wirklichkeit kommen wir mit nichts zur Welt und wir sterben auch mit nichts. Was dazwischen kommt, ist reine Illusion. Das einzige, was wirklich zählt ist, dass wir die Welt zum positiven verändern und dass wir erfüllen, wozu wir berufen sind – um es mit etwas „antiquierten“ Worten zu sagen „was unsere Pflicht ist“.

Die Welt täuscht uns alle, wenn wir ihren Sirenengesängen lauschen – nur wer tiefer blickt kann die Wahrheit dahinter erkennen.

Hör auf alle Dinge auf dich zu beziehen! Was andere denken und sagen, auch über dich, ist in erster Linie deren Angelegenheit, nicht die deine. Nur wenn du die Gedanken anderer zu deinen eigenen machst, haben sie Macht über dich. Niemand kann unsere Geistesleben beeinflussen, weder im Positiven noch im Negativen, wenn wir es nicht zulassen. In der Praxis lassen wir es allerdings sehr oft zu und die Frage, die wir uns nun stellen sollten ist, warum dies der Rall ist. Wie kann es sein, dass bloße Worte von anderen Menschen einen derartigen Einfluss auf mich haben? Teilweise liegt dies an unserer menschlichen Natur. Als soziale Wesen mit Bewusstsein, reflektieren und bewerten wir uns selbst und wollen uns auch in der Welt (vor allem in anderen Menschen) spiegeln. Das ist völlig normal und natürlich, allerdings besteht auch hier die Krux darin, dass wir die Stärke aufbringen unserer Natur nicht einfach unhinterfragt zu folgen. Disziplin hat im Wesentlichen damit zu tun, dass wir gegen unseren Instinkt handeln. Wer unsere Instinkte anspricht, will oft nichts Gutes für uns, jedenfalls möchte eine solche Person uns meist für ihre Zwecke einspannen.

Übernimm totale Verantwortung für alle Dinge in deinem Leben! Alles in deinem Leben wurde letztlich von dir selbst geschaffen – nicht unbedingt die äußeren Umstände – aber mit Sicherheit deren Interpretation. Was die Dinge, die dir widerfahren für dich bedeuten, liegt zu 100 Prozent in deiner Hand und zwar nur in deiner Hand. Und von dieser Interpretation, der Geschichte, die du dir selbst über dien Leben erzählst, hängt die Qualität deines Lebens ab.

Es gibt nun ein paar Dinge, die man tun kann, um gegen Frust und Ärger vorzugehen. Stelle dich etwa vor einen Spiegel und stelle dir selbst die Frage welche Dinge du vom Leben erwartest und was es für dich tun soll. Dann betrachte dich selbst und denke darüber nach, warum dieses „Recht“ bestehen soll. Lerne es dich zu entspannen und über das Leben zu reflektieren. Erweitere dadurch dein Bewusstsein und damit auch die Kenntnis der Ursachen für deine Gedanken und Gefühle. Hinterfrage den Ärger, den du spürst und stelle dir die Frage nach den wahren Ursachen dafür; durch diese Objektivierung erhältst du Abstand und kannst die Dinge aus einer höheren Perspektive heraus betrachten. Übe dich auch darin die Dinge positiv zu deuten. Der Sinn einer Sache ist immer eine Frage der Interpretation. Gut und schlecht sind Interpretationen, keine Tatsachen – wir alleine haben die Macht darüber. Keine Sache ist an sich gut oder schlecht, es ist unser eigenes Denken, das das eine oder das andere hervorbringt. Deshalb haben wir auch immer die Möglichkeit die Dinge so zu verstehen, dass Ärger und Frust keine Erfahrungen für uns werden – zumindest keine zwangsläufigen.

Jammern ist für Verlierer und Schwächlinge – doch ihr meine Leser gehört nicht zu dieser Gruppe – ihr seid aus anderem Holz geschnitzt. Ihr seid Gewinner; und zwar selbst dann, wenn ihr noch nicht allzu viel Erfolg in eurem Leben gehabt haben solltet. Es fehlt meist nur noch wenig zum Durchbruch; das ist bei den meisten Menschen so, die sich seit langem mit „Selbsthilfe“ beschäftigen, entsprechende Blogs und Bücher lesen, Seminare besuchen, an sich arbeiten und dergleichen.

Letztendlich liegt es in unserer eigenen Hand ob und wie viel Ärger und Frust wir in unserem Leben erfahren. Sobald wir unsere Verliebtheit mit dem „Opfersein“ aufgeben, je mehr wir bereit sind unser Leben selbst in die Hand zu nehmen und für alles völlige Verantwortung zu übernehmen, desto mehr werden wir in die Welt unsere bewussten eigenen Schöpfung eintreten und all jenes hinter uns lassen, das wir zwar geschaffen haben, aber vor allem aus Unwissenheit und einem Mangel an Bewusstheit nicht anders sein konnte. Diese Erfahrungen gehören dann der Vergangenheit an und wir können mit Fug und Recht behaupten, dass wir unseren Geist dermaßen entwickelt haben und unter unsere Kontrolle gebracht haben, dass die Vorstellung von Ärger und Frustration nur noch immer mehr verblassende Erinnerungen an ein früheres Leben darstellen. Die Zukunft, die dann vor uns liegt ist eine andere, eine, die die meisten Menschen sich nicht einmal vorstellen können.

 

Euer O. M.

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