4.2.2016„Wer nicht weiß wohin er geht, für den ist jedes Ziel recht.“ Dieses Sprichwort ist äußerst zutreffend und bezeichnet die Situation eines Menschen, der über keine oder nur unklare Ziele verfügt. Zu wissen, was man will, ist eine Voraussetzung dafür, dass man in der Lage ist Entscheidungen zu treffen, und gerade darin liegt etwas, das uns zu Menschen macht, etwas ureigen Menschliches sozusagen. Der Mensch ist ein Lebewesen, das sich seiner selbst bewusst ist und gerade dadurch gekennzeichnet ist, dass es Entscheidungen trifft. An dieser Erkenntnis können wir nicht vorbei, wenn wir unser Potenzial verwirklichen wollen. (Über die verschiedenen Arten menschlicher Entscheidungen habe ich an anderer Stelle bereits geschrieben).

 

Was es bedeutet sich zu entscheiden

Zu entscheiden bedeutet aus einer Reihe von möglichen Zukunftsszenarien ein bestimmtes auszuwählen. Dazu brauchen wir einerseits die Fähigkeiten uns die Zukunft mit all ihren Folgen vorstellen zu können, andererseits müssen wir zwischen wichtig und unwichtig unterscheiden können. Unterschiede zwischen Szenarien erkennen und entsprechend gewichten zu können ist essentiell, ebenso sich größerer Zusammenhänge bewusst zu werden und die Wirkungsweise einzelner Faktoren für das Ganze feststellen zu können.

An Entscheidungen sind immer die Gefühle mitbeteiligt. Die moderne Gehirnforschung hat eindeutig gezeigt, dass es so etwas wie eine „rein rationale Entscheidung“ überhaupt nicht geben kann, stets sind die Gefühle daran beteiligt. Ja ist es sogar so, dass dort wo der Mensch keinen Zugang zu seinen Gefühlen hat, die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen nicht vorhanden ist. An Beispielen von Menschen, die bestimmte Gehirnverletzungen in für Gefühle zuständigen Regionen aufweisen, ließ sich deutlich zeigen, dass solche Individuen zwar in der Lage sind rationale Vorstellungen von den Folgen ihrer Handlungen zu entwickeln, dass sie aber nicht fähig sind eine Entscheidung zu treffen. Um solches zu können müssen wir fühlen können, zudem brauchen wir eine Werthaltung, um Prioritäten setzen zu können. Wenn wir nicht wissen, was wir im Leben wollen und was für uns wichtig ist, dann ist es unmöglich eine Entscheidung zu treffen.

Weiters ist es wichtig zwischen dringend und wichtig unterscheiden zu können. Was dringend ist hat immer Vorrang, selbst dann wenn die Sache auf der eigenen Werkteskala nicht besonders wichtig ist.

Um es auf den Punkt zu bringen: Um gut entscheiden zu können brauchen wir die Fähigkeit denken zu können!

Doch die intellektuellen Fähigkeiten sind noch nicht genug, wie oben bereits mit der Erwähnung der steten Beteiligung der Gefühle bereits angesprochen wurde. Entscheidend sind auch bestimmte Charaktereigenschaften, wie Bewusstsein, Übung und Disziplin. Zu wissen was richtig ist, ist die eine Sache, es dann auch umzusetzen eine andere. Gerade an dieser Schnittstelle zwischen Denken und Handeln scheitern viele.

 

Entscheiden oder nicht entscheiden

Wer Entscheidungen vermeidet, liefert sich den Umständen und den Entscheidungen anderer aus, gibt Verantwortung ab und braucht sich deshalb nicht zu wundern, wenn sein Leben nicht selbstbestimmt, nicht erfolgreich und in aller Regel auch nicht glücklich verläuft.

Wenn wir vor einer Entscheidung stehen, dann befinden wir uns an einem Scheidepunkt in unserem Leben. Bereits kleine Veränderungen in der Gegenwart können auf längere Sicht gewaltige Effekte haben. Auf der anderen Seite sind viele „große“ Angelegenheiten des gegenwärtigen Moments kaum von Bedeutung in Bezug auf eine größere Perspektive, geschweige denn auf die Dauer eines ganzen Menschenlebens gesehen. Wenn wir vor einer Entscheidung stehen, dann stehen wir immer vor dem Unbekannten: Wie sehr wir uns auch bemühen mögen alles zu durchdenken, es gibt im Leben niemals eine Garantie dafür, dass die Dinge so ausgehen werden, wie wir es wünschen oder vorhergesehen haben. Wir stehen hier also immer vor einem Risiko. Manche meinen es wäre deshalb besser sich nicht zu entscheiden, doch ist diese Position äußerst kurzsichtig, denn in Wahrheit ist das größte Risiko, das wir im Leben eingehen können, niemals ein Risiko einzugehen. Zudem dürfen wir uns nichts vormachen: Die Angst ist in Wahrheit die Mutter dieses Gedankens, der sich nur den Anschein der Vorsicht oder gar der Vernunft gibt.

Wenn wir nun eine Entscheidung treffen, können wir sowohl richtig, als auch falsch liegen, doch der wahre Vorteil besteht darin, dass wir uns im Leben weiterbewegen und nicht stehen bleiben. Wir mögen vielleicht auf einen Weg gelangen, den wir nicht gewählt hätten, wenn wir ihn von vorne herein gekannte hätten, doch ist damit unser Erfolg noch nicht ein für alle Mal dahin. Die Erfahrung zeigt, dass es kaum einen Menschen gibt, der erfolgreich geworden ist und dabei den direkten Weg zu Ziel (sofern es einen solchen überhaupt gibt) von Anfang an gefunden hätte. Erfolg setzt sich ja gerade aus einer langen Reihe an Fehlschlägen zusammen. Fehlschläge sind Feedback und damit Wissen (wenn wir es als solches sehen – und das wiederum hängt von unserer Geisteshaltung ab) und Wissen ist wiederum das Fundament für Erfolg.

Im Ergebnis bleibt:

Sich zu entscheiden ist in jedem Fall besser, als sich nicht zu entscheiden, egal, wie die Entscheidung auch aussehen mag!

Wer sich entscheidet, hat immer die Möglichkeit zu wachsen. Zwar mag es vor allem für darin Ungeübte schwierig sein aus einem Fehler oder einem Rückschlag zu lernen, vor allem wenn die Fähigkeit einen Schritt zurückzutreten und sich eine Situation von einer höheren Perspektive aus zu betrachten, noch nicht besonders gut entwickelt ist.

Kann man sich partout nicht entscheiden, kann man immer noch den Zufall zu Hilfe rufen. Es ist immer noch besser eine Münze zu werfen, als sich überhaupt nicht zu entscheiden. Wenn Du zu diesem Trick greifen musst, dann tue es!

Werde es gewohnt Entscheidungen zu treffen und Du wirst dadurch auch ein Gefühl für Dich selbst verbessern, ebenso steigt dadurch Deine Selbsterkenntnis. Es gibt letztlich keinen vernünftigen Grund Entscheidungen im Leben aufzuschieben oder gar zu vermeiden. Ein solches Verhalten hat noch nie zu einem zufriedenen, geschweige denn zu einem glücklichen, Leben geführt und deshalb sollten auch wir diesen Weg nicht einschlagen.

Euer O. M.

 

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