16933472-a-variety-of-photos-are-projecting-out-of-a-black-backgroundFreiheit ist nichts, was, wenn sie einmal erreicht wurde, dauerhaft garantiert wäre. Vielmehr ist sie etwas worum man sich ständig bemühen muss und das sich auch permanent in Gefahr befindet. Freiheit ist ein Lebensstil und kein „Besitz“ oder eine Charaktereigenschaft, die wir uns zuschreiben können. Sie befindet sich in einem unablässigen Spannungsverhältnis zu allen möglichen inneren und äußeren Kräften. Eine dieser Kräfte besteht in der Beeinflussung der eigenen Gedanken durch Worte und Bilder, die von außen kommen. Das ist der Bereich auf den die Medien spezialisiert sind und deshalb einen maßgeblichen Einfluss auf das Leben sowohl des Individuums, als auch der Gesellschaft nehmen. Medien leiten uns, lassen uns die Welt auf eine bestimmte Weise sehen und gelten zunehmend als Orientierung in einer globalisierten Welt. Die Nachrichten, die wir konsumieren, sind eine Art von geistiger Nahrung und wir sollten deshalb damit genauso sorgsam umgehen wie mit unserer Ernährung – da würden wir ja auch nicht alles essen, was irgendwie verfügbar ist.

Die Pressefreiheit gehört zu den grundlegenden Rechten einer jeden freien Gesellschaft. Ohne freie Presse ist die Bevölkerung den Machenschaften der Regierenden ausgeliefert. Eine vierte Gewalt im Staat zu haben, kann ein großer Segen sein. Problematisch wird es überall dort, wo die Medien mit den Regierungen eng verbunden sind oder wo sie aufgrund wirtschaftlicher Interessen, mehr die Wünsche der Sponsoren, als der Konsumenten bedienen müssen. Im Medienbereich ist seit langem vieles im Umbruch und nun kristallisiert sich immer mehr heraus, wie die Zukunft in diesem Bereich aussehen wird.

 

 

Traditionelle Medien

Die traditionelle Medienlandschaft war gekennzeichnet durch einige wenige Kanäle, über die Nachrichten und das Bild der Welt verbreitet wurde. Der Konsument war dabei, bis auf wenige Ausnahmen, wie etwa das Schreiben von Leserbriefen, passiv und lieferte sich den Medienmachern mehr oder weniger aus. Zwar gab es, je nach Weltanschauung, politischer oder religiöser Einstellen, entsprechende Medien, doch blieb die Anzahl stets relativ gering. Die traditionellen Medien waren durch ihre Autorität gekennzeichnet: Nachrichten wurden von professionellen Journalisten erfasst, aufbereitet, interpretiert und zu ihren Bedingungen unter das Volk gebracht.

Ganz wichtig bei den traditionellen Medien ist die Gatekeeperfunktion, also die Aufgabe der Medien Nachrichten zu filtern und bestimmte Meinungen und Ereignisse überhaupt nicht in der Öffentlichkeit auftauchen zu lassen. So gibt es seit jeher viele Gruppen und Meinungen, die zwar faktisch in der Bevölkerung existieren, aber es nie auf die Titelseiten geschafft haben. Durch die Gatekeeperfunktion kam es zu einer Verzerrung der Wirklichkeit.

 

Die Medien von heute

Die Medien in ihrer traditionellen Form (und hier sind nicht die technischen Entwicklungen gemeint, sondern die Struktur und der innere „Geist“ der Medienlandschaft selbst) befinden sich heute in einer großen Krise, eine Krise, die seit mehr als zwei Jahrzehnten für sinkende Leser- und Zuseherzahlen, mehr noch für fallende Umsätze und einen starken Rückgang der beschäftigten Journalisten sorgt. Journalist zu sein war einst ein sehr gut bezahlter und oft auch hoch angesehener Beruf. Heute hingegen genießen nur wenige Journalisten noch einen guten Ruf und die Bezahlung ist, gerade bei jungen Journalisten, gar nicht mehr so weit vom Hungerbrot entfernt. In den meisten Redaktionsstuben herrschen Angst und Stress – Mut und Vertrauen sind selten geworden.

Die Gatekeeperfunktion der Medien ist heute Geschichte. Diese Art von Autoritätsausübung wird immer weniger geduldet und die Menschen besorgen sich ihre Nachrichten und Meinungen inzwischen im Internet genau so, wie sie sie haben wollen. Damit tritt eine Demokratisierung der Medienlandschaft ein. Ein weiterer Punkt besteht darin, dass es zwar immer noch professionelle Journalisten gibt, dass allerdings Dank moderner Technologien es heute jedem möglich ist Journalist zu sein. Immer mehr Informationen, die die Medien erreichen, kommen von ganz gewöhnlichen Menschen von der Straße, mit einem Smartphone in der Hand. Man denke etwa an der Arabischen Frühling, an Anschläge in Großstädten, an Rassenunruhen in den USA und so weiter. Wir erleben zunehmend, dass die offiziellen Versionen, die von Behörden und Unternehmen in Presseaussendungen lanciert werden, oft nicht der Wahrheit entsprechen. Dank des „Alltagsjournalismus“ gelangen wir an Informationen, die uns früher vorenthalten wurden. Nicht selten wird auf diese Art die Wahrheit zutage gefördert.

Was generell immer weniger greift sind die Kontrollmechanismen in Bezug auf die Medien. Es mögen in einigen Fällen sogar Gesetze der Verbreitung von bestimmten Meinungen und Nachrichten entgegenstehen (z.B. Staatsgeheimnisse), doch de facto stellen diese Gesetze keine Hindernisse mehr dar – sie werden zunehmen übergangen und dank technischer Möglichkeiten sind immer mehr ganz normale Bürger dazu in der Lage (ohne erwischt zu werden). Die Möglichkeit von Zensur ist immer weniger gegeben, etwas das vielen Regierungen der Welt massive Kopfschmerzen bereitet aber ein gewaltiger Befreiungsschlag für die Bevölkerung und den „kleine Mann“ ist.

 

Die Zukunft des Journalismus und der Nachrichten

So düster der derzeitige Stand bei den meisten Medien auch sein mag, es gibt begründete Hoffnung, dass bereits Licht am Ende des Tunnels auftaucht. Der Hunger nach Nachrichten ist heute ungebrochen wie eh und je. Ja, Menschen sind entgegen landläufiger Meinung bereit auch komplizierte und lange Texte zu lesen, wenn sie darin für sich einen Wert erkennen. Die Vorstellung alles müsse schnell gehen, niemand hätte mehr Zeit zum Nachdenken und auf Genauigkeit und Wahrheitsgehalt käme es nicht mehr an, ist inzwischen deutlich widerlegt.

Die Freiheit des Menschen besteht auch in der Freiheit sich nicht durch die Meinungen anderer steuern zu lassen. Ganz wichtig für die Freiheit ist deshalb auch die Wahrheit. Wenn man mit falschen Vorstellungen lebt, kann man sich schwer in der Welt orientieren und die Richtung seines Lebens selbst steuern. Medien sollten die Gesellschaft abbilden und zwar in ihrer Gesamtheit und nicht nur einige (erwünschte) Teile davon. Entscheidend ist dabei das Vertrauen in die Medien.

 

Kennzeichen der zukünftigen Medienlandschaft

  • Die Medien werden zu Helfern der Konsumenten, orientieren sich an diesen, deren Präferenzen und geben die klassische autoritäre Haltung, samt der damit verbundenen Gatekeeperfunktion auf
  • Die Nachrichten werden zunehmend positiv. „Only bad news are good news“ ist zynisch und überdies nicht zutreffen. Untersuchungen zeigen, dass gerade „good news“ sehr gut angenommen werden und zu steigenden Besucher- bzw. Leserzahlen führen. Immer mehr Menschen sind es leid, dass die Medien ihre primitiven Ängste ansprechen. Je mehr der Mensch lernt seine Gefühle zu beherrschen, sich der höheren Gehirnfunktionen zu bedienen, desto weniger funktioniert die Sensationsmache und der Appell an die Flucht-und-Kampfreflexe. Die objektiven Daten zeigen deutlich, dass das Leben auf der Welt immer besser wird – Pessimismus ist einfach nicht mehr angesagt, da er mit der Realität nicht übereinstimmt. Wir leben heute in der paradoxen Situation, dass die Menschen besser und sicherer leben als je zuvor, aber das Gefühl haben die Welt wäre voller Gefahren und ihr Dasein ständig bedroht. Wenn die Medien die Realität abbilden wollen, muss das Pendel massiv in den positiven Bereich umschwingen.
  • Der Inhalt der Nachrichten wird in Zukunft von den Konsumenten selbst bestimmt. Man konsumiert punktgenau jene Nachrichten, die man braucht oder die einem zusagen, aber nicht jenes vorgefertigte Bündel an Nachrichten, das bisher aus den Redaktionsstuben auf die Menschen losgelassen wurde (wie etwa bei den 20-Uhr-Nachrichten). Menschen wollen zunehmend nur noch jene Informationen haben, die sie selbst gebrauchen können und nicht mehr jene, die sie im Grunde nichts angehen und irrelevant für sie sind (und das macht den größten Teil der derzeitigen Nachrichten aus). Die Prioritäten setzt der Konsument nun selbst, er entscheidet, was wichtig ist und was nicht, und keine Medienautoritäten mehr.
  • Nachrichten werden in Zukunft richtig getimt werden und sich den jeweiligen technischen Hilfsmitteln anpassen, die die Menschen zur jeweiligen Zeit hauptsächlich verwenden. Am Morgen nach dem Aufstehen ist es vor allem das Smartphone, dass der Infobeschaffung dient, beim Frühstück das Tablet, untertags vor allem der Desktop-PC (am Arbeitsplatz); gegen Abend nehmen dann wieder die Tablet-User stark zu (Das Tablet ist das ideal Mittel um lange Texte zu lesen).
  • Jede noch so kleine Minderheit und Gruppe in der Gesellschaft hat nun ihre eigenen Medien. Die Zeiten des großen Mainstreams sind vorbei.
  • Mit Nachrichten in Echtzeit zugemüllt zu werden, wird auch in Zukunft gratis sein, doch echter Qualitätsjournalismus wird etwas kosten und zwar mehr als bisher. Es erkennen aber immer mehr Menschen, dass es sich lohnt für guten Journalismus zu bezahlen, sofern er ihnen persönlich dient. Der Journalist wird immer mehr zum Partner der Bevölkerung, vor allem der lokalen, ebenso wie der lokalen Unternehmen, im Kampf gegen multinationale Einflüsse (Konzerne, Regierungen, Monopole etc.). Die Bereitschaft für Nachrichten zu bezahlen ist vorhanden, doch will man nicht für etwas bezahlen, dass einem keinen echten Wert bringt und man woanders gratis bekommen kann. Hier liegt der entscheidende Unterschied. Immer mehr Konsumenten erkennen, dass es im Grunde bei Nachrichten nicht auf die Geschwindigkeit ankommt, sondern auf die Verlässlichkeit und auf den Wahrheitsgehalt – uns solches braucht Zeit und Arbeit.
  • Guter Journalismus wird sich in Zukunft kaum mehr über Werbung finanzieren, sondern durch die Konsumenten. Damit werden die Konsumenten wieder zu den wahren Kunden der Medien und damit sind sie diejenigen, an denen sich der Journalist zu orientieren hat.
  • Menschen lernen immer kritischer mit Nachrichten umzugehen, die dahinter stehenden Motive zu erkennen und daher den Wert einer Nachricht einzuschätzen.
  • Unser Bild von der Wirklichkeit wird vollständiger und reichhaltiger werden.
  • Die Qualität des Journalismus wird in Zukunft von den Konsumenten bestimmt! Es wird von unserer Neugierde abhängen, wie gut die Medien uns mit Informationen und Storys versorgen werden.

Journalist zu sein ist immer noch ein großartiger Beruf, und man hat damit sogar eine prosperierende Zukunft vor sich, wenn man sich darauf verlegt den Menschen zu dienen, sich von ihnen belehren zu lassen und nicht umgekehrt. Der Journalist als „Partner und Helfer“, wenn sich das durchgesetzt hat, dann sind wir diesbezüglich in der demokratischen und weltoffenen Realität des 21. Jahrhunderts angekommen.

 

Euer O. M.

Bild: 123rf.com – Royalty Free Stock Photos

Advertisements