12394115-young-man-with-thoughtful-expression-and-head-melting-into-tangled-linesFreiheit im Äußeren setzt Freiheit im Inneren voraus. Selbst wenn die äußeren Umstände optimal sein mögen, niemand uns bedrängt, keine Vorschrift uns einschränkt und alle Voraussetzungen gegeben sind, um uns selbst auszudrücken und unseren Willen durchzusetzen, werden wir immer noch unfrei sein, wenn unser Geist nicht geklärt ist. Oft wird diese Komponente der Freiheit vernachlässigt und nicht selten wird sie als Hindernis zur persönlichen Entfaltung überhaupt nicht erkannt.

Der größte Teil des menschlichen Lebens läuft nicht bewusst ab! So seltsam das auch klingen mag, so zeigen Untersuchungen deutlich, dass in etwa 90 Prozent der Zeit (und hier ist die Wachzeit gemeint, nicht die Zeit in der wir schlafen), nehmen wir das Leben nicht bewusst wahr, sondern laufen auf „Autopilot“. Diese Tatsache an sich ist weder positiv noch negativ, sie ist einfach ein Faktum, an dem wir auch nicht allzu viel ändern können, denn wir sind unserer Natur nach darauf eingerichtet so zu „funktionieren“. Es geht im Wesentlichen darum jene 10 Prozent, in denen wir uns bewusst sind so zu gestalten, dass damit unser Leben optimal gesteuert und das Unbewusste richtig „programmiert“ wird.

Das Bewusstsein erfordert viel Energie und wenn wir ständig in den bewussten Modus des Gehirns geschalten wären, wären wir sehr bald erschöpft. Die Wissenschaft hat klar bewiesen, dass es so etwas wie „Entscheidungs-Müdigkeit“ gibt. Jede Entscheidung erfordert Energie und je häufiger wir uns entscheiden müssen, desto mehr Energie fehlt uns im Gehirn (in Form von Glucose). Dabei ist es nicht entscheidend, ob wir große oder kleine Entscheidungen treffen, der Energieverbrauch ist identisch. Wir kennen nun alle den Effekt: nach einem langen intensiven Arbeitstag sind wir ausgelaugt, vor allem auch deshalb, weil wir vieles zu entscheiden hatten. Kommen wir dann nach Hause, sind wir nicht mehr daran interessiert noch viel zu entscheiden. Wenn uns dieser Umstand bewusst ist, dann können wir wichtige Entscheidungen auf Tageszeiten verlegen, zu denen wir noch über viel geistige Energie verfügen – was meistens am Morgen oder am Vormittag der Fall sein wird.

Die geistige Müdigkeit ist ein Faktor für das Chaos im Geist, ein anderer ist die mangelnde Flexibilität, die bei vielen im Kopf herrscht. Das menschliche Gehirn kennt grundsätzlich zwei Modi, in denen es sich befinden kann: 1.) Fokus, 2.) Ruhe. Im Modus des Fokus brauchen wir viel Energie, können Informationen aufnehmen, speichern und analysieren aber erst im Ruhemodus können wir neue Verbindungen zwischen Informationen herstellen und kreativ sein. Die Fähigkeit zwischen diesen beiden Modi hin und her zu schalten ist entscheidend für eine gute Integration im Gehirn und eine dadurch erzielte Reduktion des Chaos im Geist (zudem liegt hier auch der Schlüssel zur Heilung vieler psychischer Probleme, wie etwa Traumata – siehe dazu meinen Beitrag zu EMDR).

Die gute Nachricht ist, dass unser Gehirn äußerst veränderbar ist, man spricht hier auch von „Neuroplastizität“. Wir sind ihm nicht hilflos ausgeliefert, sondern können es „hacken“, nach unseren Vorstellungen umformen, optimieren und neu programmieren, so dass es denkt, was wir wollen, dass es fühlt, was wir fühlen wollen und dass es zu unserem willfährigen Diener wird, anstatt unser launischer „Boss“ zu sein.

 

Einige wichtige Ideen, Anregungen und Informationen, die hier wichtig sind:

Der Hauptgrund für Unfreiheit im Leben ist das Chaos im eigenen Geist! Unsere Freiheit liegt darin, dass wir die Kontrolle über unseren Geist gewinnen, indem wir selbst bestimmen was wir denken und fühlen und Handlungen hervorbringen, die unseren Zielen dienen, anstatt uns zu sabotieren.

Der Schlüssel zur Klärung des Geistes liegt im Bewusstsein seiner eigenen Denkvorgänge und der eigenen Gefühle.

Sieh dich selbst aus verschiedenen Perspektiven und gestatte es nicht einer Sichtweise dein ganzes Leben zu bestimmen. Perspektiven, wie auch Weltanschauungen sind wie Gefängnisse: wir können sie letztlich zwar nicht vermeiden aber wir können sie uns zunutzen machen, indem wir sie von außen, bzw. von einer anderen Position aus betrachten.

Sorge regelmäßig für Ruhe im Geist, indem du alle äußeren Einflüsse ausblendest. Regelmäßig Zeit für Ruhe, ohne Störungen durch andere, Smartphone, TV etc. sind sehr wichtig für die geistige Klarheit aber letztlich auch für die mentale Gesundheit.

Erkennen wir wann nicht unser Verstand, sondern unsere automatische Programmierung uns leitet. Atmen wir dann tief durch, beruhigen das Gemüt und treffen dann erst Entscheidungen. Sollte das nicht möglich sein, ist es am besten die Entscheidung ganz zu verschieben.

Unterdrücke niemals Emotionen, lass sie zu, aber gestatte es ihnen nicht dich zu steuern. Behandle sie wie ein Vater oder eine Mutter ein wütendes, trauriges oder ängstliches Kind behandeln würde: mit Verständnis, ohne jedoch dem Kind nachzugeben.

Wir können bei unserem Gehirn regelmäßig den „Reset-Knopf“ drücken, indem wir etwa Sport betreiben, Zeit in der Natur verbringen, meditieren oder gute Musik hören.

Erledige deine Aufgaben vollständig, so dass sie nicht weitere Gehirnkapazität verbrauchen. Viel Chaos im Gehirn entsteht durch all die offenen Punkte in unserem Leben.

Kontrolliere bewusst welchen äußeren Einflüssen du dich aussetzt. Andere Menschen, Medien, die Umwelt: von überall her strömen Unmengen an Informationen auf uns ein, von denen viele nutzlos oder schädlich sind. Wir können zwar nicht all diese Informationen überprüfen oder verhindern aber wir können uns generell weniger schädlichen Einflüssen aussetzen (müssen wir unbedingt drei Mal am Tag die Nachrichten sehen? Müssen wir Zeit mit Menschen verbringen, die nicht auf unserer Seite sind und uns nicht gut tun?).

Multitasking ist Schwachsinn! Ein menschliches Gehirn ist das überhaupt nicht in der Lage (weder jenes der Männern noch jenes der Frauen). Der Mythos hält sich jedoch hartnäckig. In Wahrheit geht es darum flink zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her zu wechseln und dabei jede Aufgabe vollständig zu erledigen und im Geist genau bei der jeweiligen Aufgabe zu verweilen und nicht bereits mit etwas anderem beschäftigt zu sein.

 

Die Neurowissenschaften gehören heute zu den boomenden Bereichen der Wissenschaft. Ihre Erkenntnisse in den letzten Jahren sind größer als in der gesamten Geschichte ihrer Wissenschaften zusammengenommen. Sie werden zweifellos unser Verständnis von uns selbst gewaltig verändern und so manches Paradigma auf den Kopf stellen. Vor allem aber werden wir durch sie in die Lage versetzt erfolgreicher, zufriedener, gesünder und glücklicher zu leben. Niemand kann heute auf sie verzichten.

 

Euer O. M.

Photo: 123rf.com – Royalty Free Stock Photos

 

 

Advertisements