15725768-dog-intelligence-and-training-animal-symbol-for-pet-mental-health-care-as-a-concept-with-a-canine-siObwohl wir in einer so genannten „freien Gesellschaft“ leben, haben die meisten das Gefühl, dass damit irgendetwas nicht stimmen kann. Freiheit ist zwar ein Wunsch, doch nur die wenigsten fühlen ihre Realität in ihrem Leben, zumindest in dem Ausmaß, in dem sie es sich wünschen. Dabei spielt Gehorsam eine gewichtige Rolle bei diesem Gefühl. Offiziell lehnen die meisten Menschen heutzutage zwar Gehorsam ab und glauben freie Menschen zu sein, doch wenn man sich die Sache genauer ansieht, ist dem bei weitem nicht so. Die Autorität ist heutzutage meist anonym, was es besonders schwer macht dagegen vorzugehen. Auf der anderen Seite gibt es immer noch eine beträchtliche Anzahl von Menschen, die eine autoritäre Charakterstruktur aufweisen und sowohl zu großem Gehorsam anderen gegenüber bereit sind, als auch, dass sie selbst solchen von anderen einfordern.

Gehorsam brauchen vor allem Menschen, die nicht wissen, wer sie sind, die nie ihre eigene Autorität geworden sind und so andere dafür brauchen. Für einen freien Menschen ist Gehorsam jedoch unvereinbar. Wenn ein Mensch wirklich fei sein will, dann muss er seine eigene Autorität werden, sein eigenes Gesetz. Gehorsam heißt, dass man das eigene Selbst nicht wirklich entwickeln kann, man entwickelt keine wirkliche Verantwortung für sich selbst, sondern es geht alleine darum dem Gehorsam-Verlangenden es Recht zu machen! Letztlich handelt es sich dabei um Verantwortungslosigkeit. Man macht sich zwar verantwortlich gegenüber dem Anweisenden, aber nicht seinem eigenen Handeln und sich selbst gegenüber. Wenn es zu viele solcher Menschen gibt, dann ist damit die freie Gesellschaft selbst und vor allem auch die Demokratie in Gefahr.

Gehorsam einem anderen gegenüber bedeutet immer ein Verrat an sich selbst und seinem eigenen Wesen!

Im Grunde besteht Gehorsam darin, dass ein anderer die Last der eigenen Verantwortung für das Leben tragen soll, dass ein anderer die Leere, die man im Inneren spürt (und zu der man sich in den seltensten Fällen bekennt) füllen soll, so dass das eigene Leben einen Sinn bekommt. Dieser Mechanismus ist in der Regel unbekannt, weshalb darauf angesprochen die meisten verneinen würden, dass er auf sie zuträfe. Gehorsam wird meist mit „Loyalität“ rationalisiert, nicht nur auf individueller Ebene, sondern auch auf kollektiver. Damit entsteht die Perversion, dass Gehorsam zu einer „Tugend“ erklärt wird.

Wir dürfen uns allerdings über eine Sache nicht täuschen, nämlich wo die Quelle der Gehorsams wirklich liegt. Die Ketten, die der moderne Mensch trägt, finden sich im Inneren, nicht, oder nur in den seltensten Fällen, in anderen Menschen und auch nicht in den Umständen, die in der Regel dafür verantwortlich gemacht werden. Die Geisteshaltung, die solche inneren Ketten ermöglicht, wird in der Kindheit und Jugend entwickelt.

In der Erziehung gibt es nichts Schlimmeres als „gute Jungen“ und „gute Mädchen“ zu erziehen – das ist das beste Mittel einem Kind die Seele zu rauben und zu innerlich leeren Kreaturen zu machen, die durchs Leben gehen, ohne je sie selbst zu sein, ja mehr noch, solche die noch nicht einmal wissen, dass es ein solches Selbst gibt oder einmal gegeben hat, bevor die „Erziehung“ einsetzte.

Was wir in Wirklichkeit brauchen ist nicht Gehorsam, sondern Empathie. Und zwar nicht nur für anderen, sondern vor allem auch für uns selbst. Empathie ist zwar in der Regel nur bis zu einem gewissen Grad ausgebildet, trotzdem ist sie eine völlig natürliche Eigenschaft des Menschen, die an sich nicht erworben, sondern lediglich freigelegt zu werden.

 

Schlussfolgerung

Gehorsam und Hörigkeit sind Zeichen davon, dass ein Mensch sich weder aufrichtig selbst liebt noch respektiert. Ein solcher Mensch hat auch nicht das Gefühl Freiheit wirklich zu verdienen. Wer also wirklich frei sein will, der muss seine Geisteshaltung ändern, die Ketten ablegen, die ihn dort gefangen halten, bzw. die inneren „Angriffspunkte“ erkennen und unschädlich machen, die eine Unfreiheit im Äußeren überhaupt erst ermöglichen. Der wahre Ungehorsam muss deshalb im Inneren beginnen, dann kann man auch im Äußeren frei sein. Solange man nur gegen die äußere Unfreiheit angeht, aber in seinem Geist nichts verändert hat, ändert sich im Leben gar nichts und man ist nichts anderes als ein Rebell, der ständig gegen Mauern anrennt, ohne diese jemals durchbrechen zu können.

 

Euer O. M.

 

Photo: 123rf.com – Royalty Free Stock Photos

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