5741965-3d-illustration-of-lots-of-characters-with-speech-bubbles-could-be-used-to-represent-an-online-chat-Diese Woche möchte ich mit einigen Gedanken über Meinungen beginnen. Dabei werfe ich einige Gedanken in den Raum, die zu kontemplieren sich lohnen (die mangelnde Systematik ist also kein Fehler, sondern beabsichtigt):

 

Unsere Welt ist voll von Meinungen. Meinungen beherrschen unser Leben in der Praxis weitaus mehr als Fakten, ja mehr noch Fakten werden oft überhaupt nicht beachtet, verzerrt oder einer Meinung entsprechend passend gemacht. Das geht teilweise so weit, dass manche Menschen zwischen Meinungen und Fakten nicht mehr unterscheiden können und Worte mit Tatsachen verwechseln. Dabei handelt es sich keineswegs nur um naive Menschen, sondern teilweise um sehr intelligente Zeitgenossen. Auch vor den Qualitätsmedien und der Wissenschaft hat dieser geistige Verfall nicht halt gemacht. Die Orientierung an der Meinung, anstatt an Fakten ist zu einer wahren Epidemie geworden. Doch sind wir dazu nicht unabwendbar verdammt; der einzelne, der freie Geist kann sich davon lösen und die Welt in einem anderen, einem echten Licht sehen, und braucht sich nicht täuschen zu lassen.

Wir leben heute in demokratischen Zeiten und damit einher geht meist auch die Ansicht, dass jeder sich äußern können soll. Was dabei aber oft vergessen wird ist, dass zwar jeder das Recht hat seine Meinung in der Öffentlichkeit kundzutun, dass damit aber nicht das Recht verbunden ist auch gehört zu werden. Für alle anderen besteht nämlich auch das Recht einem nicht zuzuhören.

Ein anderes Phänomen, das heute beobachtet werden kann ist, dass man zwischen verschiedenen Meinungen nicht mehr unterscheidet oder überhaupt nicht mehr unterscheiden kann. Das hängt eng mit der Unsitte zusammen alles zu relativieren, sei es in Fragen der Moral, als auch in Bezug auf die Wahrheit. Unter diesen Voraussetzungen kann man bald Kluges und Dummes gleichsetzen und behaupten alles sei eben relativ. Damit verschwinden nicht nur die Unterschiede zwischen den verschiedenen Meinungen, sondern auch zwischen Meinungen und Fakten. Konsequent weitergedacht endet solches im Nihilismus.

Besonders anfällig sind Menschen für die „öffentliche Meinung“, bzw. die „veröffentlichte Meinung“ (was in der Regel verwechselt wird). Diese ist in der heutigen Zeit die große Autorität, über die Menschenmassen gesteuert werden, denn so sehr die meisten gerne Individuen sein würden, so sehr sind sie in Wahrheit durch die öffentliche Meinung geknechtet und zurechtgebogen.

Um sich ein vernünftiges Bild von verschiedenen Meinungen machen zu können muss man sich in die Isolation begeben, im Trubel, in der Unruhe und Hektik des Massenbetriebes kann man sich kaum rational mit den auf einen einströmenden Ansichten auseinandersetzen. Zwar ist es gut die Fähigkeit zu haben schnell in einer gegebenen Situation zu einer Entscheidung zu gelangen, doch diese Entscheidung ist im Grunde keinesfalls ein Ergebnis von reiner Spontaneität. Menschen deren schnelle Entschlüsse sich meist als richtig herausstellen, haben sich durch Nachdenken lange auf solche Situationen vorbereitet, eine Vorbereitung, die letztlich in das mündet, was man als „Intuition“ kennt. Intuition ist das Ergebnis von langer intensiver Erfahrung und einer tiefen Verinnerlichung einer Sache, so dass es nicht mehr viel des aktiven Denkens bedarf, um eine Lage richtig einzuschätzen. Sie ist ein unbewusstes Wissen, das jedoch nicht willkürlich ist, sondern durch lange, intensive Anstrengung erworben wurde. Jede wahre Meisterschaft besteht in der Intuition, auf jedem nur denkbaren Gebiet des menschlichen Lebens.

Es ist offensichtlich, dass nicht alle Meinungen gleichwertig sein können, sondern dass ihr Ursprung, als auch ihre Qualität sehr unterschiedlich sein kann. Persönliche Kenntnisse, Erfahrungen und nicht zuletzt die eigenen Motive spielen eine gewichtige Rolle. Viele Meinungen sind nichts anderes als „unverdaute“ Ansichten und Halbwissen von anderen, die man nicht wirklich zu den eigenen gemacht hat, ein wahres Nachgeplapper.

Die Äußerungen vieler Menschen gleichen dem „Talkshowgerede“, noch schlimmer ist die Tatsache, dass oft überhaupt keine wirkliche Kommunikation zwischen Menschen stattfindet. Ich meine damit das „An-einander-vorbei-Reden“, wo auf die Worte des anderen überhaupt nicht geachtet wird, sondern lediglich der passende Moment abgewartet wird, um seine eigenen Gedanken zu anzubringen. Das ist im Grunde nichts anderes als ein wechselseitiger Monolog, von Verstehen kann keine Rede sein.

 

Damit wünsche ich Euch allen einen schönen Wochenstart

Euer O. M.

 

Photo: 123rf.com – Royalty Free Stock Photos

 

 

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