17072667-an-angry-mob-of-people-swears-bad-words-in-speech-clouds-or-bubbles-to-voice-their-anger-frustration„Im Klagen, hat ein Philosoph entdeckt,

liegt tiefe Lust versteckt.

Wir sollen nie ein Leid bereu’n,

da wir uns der Klage doch erfreu’n.“

in Das Leben ist ein Traum“ von Pedro Calderón de la Barca –

 

Wer kennt sie nicht, die Typen, die ständig ein böses Wort gegen anderen und die „Umstände“ im Munde führen, die alles andere, aber niemals sich selbst als die Ursache ihres eigenen Übels erkennen? Ständig führen sie eine Rede, die sie als Opfer, aber niemals als Schöpfer ihres eigenen Daseins darzustellen versucht. Man kann sich nun angewidert von diesen Zeitgenossen abwenden oder sich ihnen mehr oder weniger mitleidig oder gar zustimmend zugesellen, doch wenn wir uns der Wahrheit verpflichtet fühlen, so können wir nicht umhin uns der Wirklichkeit in ihrer Gesamtheit zu stellen und unser Urteil nur von ihr leiten zu lassen. Tun wir dies, so ergibt sich das nun folgende Bild.

 

Rein scheinbare Vorteile

Und doch scheint es für viele Zeitgenossen so zu sein, als ob das Klagen, das Sich-Beschweren eine Menge Vorteile in sich trüge. Man kann es ihnen nicht ganz abstreiten, doch wenn man einen genaueren Blick auf die Sache wirft, so entpuppt sich das Ganze doch als recht zweifelhaft. Lassen wir uns auf den Weg des Ewig-Klagenden ein, so erkennen wir, nollens vollens, bestimmte Dinge, die ich ob seines Wesen als eine Lust darstellen möchte:

  • Nun, zuerst einmal bereitet zu klagen Lust, eine Lust, die aus der Rache geboren wird, die man sich nicht eingestehen will.
  • Man versucht Mitleid zu erregen durch das Unrecht oder die schweren Schläge des Schicksals, die einem widerfuhren. Man sei aber nicht zu buchhalterisch damit, denn die Rechnung geht in Wahrheit nicht auf.
  • Manche halten das Leben nur deshalb aus, weil sie klagen. Nähme man ihnen die Möglichkeit dazu, sähen sie sich zum Weiterleben nicht in der Lage und müssten ihrem Dasein ein Ende setzen – sei es nur ehrvoll oder nicht.
  • Das Klagen bereitet dem Klagenden einen Rausch, so als ob er betrunken wäre – in der Regel nicht so, als ob Trunkenheit ihn übermannte, sondern so, dass er ihn ernergetisierte, mit unbekannter oder ungewohnter Kraft erfüllte – wenngleich auch nur mit einer scheinbaren. Aber darin liegt der Reiz des Klagenden.

 

Die Wirklichkeit des Sich-Beschwerenden

Wir wollen uns hier kein Blatt vor den Mund nehmen und die Dinge sehen, wie sie sind, deshalb können wir Wahrheitssuchenden nicht umhin uns gewissen Erkenntnissen zu stellen, so sehr sie auch dem widersprechen mögen, was als „geziemend“ oder „anständig“ gelten mag. Man verzeihe mir das nietzscheanische Pathos, doch keiner kann aus seiner Haut heraus und die Treue zum eigenen Wesen ist unumgänglich für all jene, die diesen Pfad beschritten haben.

  • Der ewig-Klagende ist ein dekadenter Mensch, es ist nicht die Kraft, die aus ihm spricht, sondern die Schwäche. Das Klagen selbst stammt aus der Schwäche, doch weiß einer heute noch, was ein „Decadent“ ist, im Sinne wie ihn Nietzsche verstand?
  • Jede Klage trägt in sich die Rache, die Rache am Leben und am anderen, doch gut getarnt und deshalb sich oft der Zustimmung anderer sicher. Es ist die dunkle Seite der Gerechtigkeit. Doch ist es überhaupt Gerechtigkeit, und sei es auch ihre dunkle Seite?
  • Wer klagt will andere so schlecht machen, wie er selbst ist. Er erträgt es nicht im Sumpf zu sitzen, während andere auf blühenden Wiesen sich der Lebenslust hingeben. Er muss ihnen nehmen was ihre Freude begründet und nennt es „Rechtschaffenheit“ oder gar „Gerechtigkeit“.
  • Wer klagt, ist arm an Leben und was ihm bleibt ist das Wort und das Pathos, Er hofft, dass er Gehör findet und seine Rede nicht als Schwäche entlarvt werde.
  • Das Schimpfen ist das Vergnügen der armen Teufel, wie Nietzsche sagt. Jemand muss Schuld sein am eigenen Unglück und deshalb ist das Auge begierig danach einen Sündenbock zu finden. Wohl denn, es wird einen solchen nie umsonst suchen.
  • Wer klagt, weiß nicht und will auch gar nicht wissen, WARUM er leidet. Er begnügt sich mich Erklärungen, die seinen Geist affizieren und sei es auch nur auf oberflächliche Weise. Das ist ihm genug, doch der Weise weiß sich zu wehren und hält von sich fern, was nie die Kraft hat ihn zu treffen, es sei denn, er gäbe sich selbst der Schwäche hin.
  • Das Klagen schadet unserem Ansehen, mehr noch, es gibt viel eher anderen Anlass uns noch mehr Schaden zuzufügen, als uns mit Mitgefühl zu bedenken. Es ist deshalb viel klüger von den Wohltaten zu sprechen, die man durch andere erfahren hat, regt man dadurch doch solche erneute an, in dem man davon berichtet. Über Fehler der andere sollte man ebenso schweigen, wie über die eigenen. Dadurch bindet man seine Freunde an sich und hält seine Feinde fern.

Sich zu beschweren, beziehungsweise zu klagen hat sowohl Pros, als auch Contras, nichtsdestotrotz wird ein Mensch, der über Selbstachtung verfügt nicht zu so einem Verhalten, Klagen, greifen. Die seelische Erleichterung ob der Klage ist nichts im Vergleich zum Verlust an Ansehen und eigener Stärke. Wir sollten uns deshalb ohne Zweifel nicht auf diesen Weg einlassen.

 

Euer O. M.

 

Photo: 123rf.com – Royalty Free Stock Photos

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