44119071-male-businessman-said-why-not-retro-style-pop-artDie Welt ist voller Menschen, die etwas von uns wollen. Je intensiver und umfangreicher unsere sozialen Kontakte und Beziehungen sind, desto mehr machen wir diese Erfahrung, ganz besonders dann, wenn wir dafür bekannt sind anderen gerne einen Dienst zu erweisen. Dabei werden wir ständig in die Lage versetzt Entscheidungen zu treffen – an sich keine schlechte Sache, allerdings nur dann, wenn es nicht Überhand nimmt und wir uns dabei bewusst sind, dass jede Entscheidung, die wir treffen, ob klein oder groß, uns psychische Energie abverlangt. Dabei gibt es eine ganz besondere Art von Aufforderung an uns, die oft von außen (von anderen), aber auch nicht selten durch unser eigenes Selbst gestellt wird: „Warum nicht?“.

Allzu oft erleben wir bei anderen aber auch bei uns selbst, dass als einziger Grund für eine Handlung ein „Warum-nicht?“ gegeben wird, ohne dass es eine vernünftige Auseinandersetzung mit der entsprechenden Materie gäbe. Wir alle unterliegen zuweilen der Versuchung eine Sache nur deshalb zu tun, weil uns, zumindest im Augenblick, keine Gegenargumente in den Sinn kommen. Man möchte meinen dies wäre doch keine problematische Angelegenheit und ein Nachgeben sei doch nur selten einmal schädlich, ja es könne damit sogar die Option auf einen Gewinne verbunden sein. Doch ist dem wirklich so? Sollen wir uns die Sache nicht etwas genauer ansehen und herausfinden ob eine Entscheidung alleine deshalb, weil uns nichts Dagegenstehendes einfällt, als sinnvoll betrachtet werden kann.

Tatsächlich ist die ganze Sache nicht so harmlos, wie sie auf den ersten Blick scheinen mag. Meist verbirgt sich hinter der Aufforderung man solle etwas tun mit der schlichten Erklärung „Warum nicht?“ nichts Gutes, ja in der Regel sollen wir dadurch dazu verführt werden den Interessen eines anderen zu dienen, aber kaum einmal unsere eigene Agenda zu verfolgen. „Warum nicht?“ stößt in ein Vakuum, in dem uns die nötigen Informationen fehlen um eine positive Entscheidung zu treffen, also sollen wir zumindest emotional in das Fahrwasser des Vielleicht-Möglichen verlegt werden. Damit nutzen anderen, oder auch ein „innerer Verführer“ ins uns (Dämon, Teufel, Joker etc. wie immer man ihn auch nennen mag), unsere Schwächen aus, um und willfährig zu machen oder zumindest unseren Mangeln an Information oder auch schlicht und einfach unsere Langeweile auszunutzen. Oft gibt es ja durchaus Gründe dafür etwas nicht zu tun, doch diese mögen uns im Moment nicht geläufig sein und unsere augenblickliche Sprachlosigkeit soll dann dazu dienen etwas zu tun, von dem sehr zweifelhaft ist, ob es je einen Nutzen für uns haben wird.

Worauf sollen wir uns nun verlassen? Der bloße Verstand reicht oft nicht aus, es bedarf der Vernunft, denn diese beinhaltet auch stets die Intuition, welche wiederum nichts anders ist als unbewusstes Wissen (man lasse sich nicht verführen in der Intuition etwas „Magisches“ zu erblicken, das ist ein anderer Trick der Verführer und Scharlatane, die an allen Ecken lauern). Gefahr besteht vor allem dort, wo jemand (egal ob jung oder alt) über nur wenig Erfahrung in einem bestimmte Bereich verfügt. Das Entscheidende ist, dass man in seinem inneren überhaupt etwas fühlt. Wenn man nämlich gar nichts fühlt, ist es in jedem Fall unklug überhaupt eine Entscheidung zu treffen, ja mehr noch, wie uns die Gehirnforschung inzwischen bewiesen hat, können wir Menschen ohne irgendeine Empfindung überhaupt keine Entscheidungen treffen. Es geht also weniger darum, dass wir überhaupt nichts fühlen, als viel mehr darum, dass wir unsere Gefühle nicht von anderen (oder auch uns selbst) verführen lassen. Als Grundregel gilt jedenfalls, dass wenn unsere Gefühle nicht ein eindeutiges „Ja“ zu einer Sache uns nahe legen, wir immer mit „Nein“ antworten sollten. Wir sollten also niemals nur deshalb etwas tun, weil scheinbar nichts dagegen spricht. Es ist wichtig immer einen guten Grund für eine Sache zu haben, ansonsten sind wir immer der Gefahr ausgeliefert uns wie ein Pilot im Blindflug zu befinden und uns dem Schicksal (oder viel schlimmer noch anderen Menschen) ohne Kontrolle auszuliefern. Es ist wichtig zumindest einen sehr guten Grund für seine Entscheidung zu haben, der eine ganze Menge an Zweifeln aufhebt. Vor allem aber sollten wir immer dann, wenn uns der Gedanke „Warum nicht?“ kommt tief durchatmen und uns Zeit lassen. Eine Auszeit ist nämlich wahres Gift für all jene Versuchungen und Impulse, die uns zum sofortigen Handeln drängen. Darüber hinaus sollten wir uns stets fragen ob uns die entsprechende Sache überhaupt etwas angeht. Nur allzu oft kümmern wir uns nämlich um die Agenden anderen Leuten und vergessen dabei unsere eigenen Prioritäten.

 

Euer O. M.

 

Photo: 123rf.com – Royalty Free Stock Photos

 

 

 

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