3-prinzipienIrgendwie scheinen viele Menschen ein Talent dazu zu haben stets das rechte Maß zu verfehlen und von einem Extrem ins andere zu verfallen. Solches gilt gerade auch für den Bereich des Vergnügens und der Lust. In unserer Wohlstandsgesellschaft sind viele Menschen geradezu süchtig nach Sinnesreizen und vermeinen, trotz anderer Lebenserfahrung, durch noch mehr und noch ausgefallenere „Kicks“ sich letztlich doch noch das Lebensglück verschaffen zu können, nach dem sie so sehr trachten. Dass solches auf die Dauer nicht gut gehen kann, erkennt bald jeder halbwegs vernünftige Mensch. Doch was der Kopf weiß erkennt der Bauch noch lange nicht an und bekanntlich ist es letzterer, der im Widerstreit meist die Oberhand behält.

Ein Großteil der Probleme unserer Zeit mit diversen Vergnügungen geht auf ein falsches Verständnis von Freiheit zurück. Viele Menschen glauben naiverweise, dass Freiheit darin bestünde tun und lassen zu können, was einem gefällt, was man will. Damit wird man aber zum Sklaven seiner Leidenschaften und seines Willens – wer wollte diesen Zustand als Freiheit bezeichnen? In Wahrheit ist Freiheit, wie ich oft auf diesem Blog gezeigt habe, die Möglichkeit das zu tun, was man tun muss, seine Pflicht zu erfüllen, gemäß der eigenen Lebensaufgabe. „Ich kann tun, was ich tun muss!“ und nicht „ich kann tun, was ich will“, ist also das Entscheidende.

Was nun das Vergnügen bzw. die Lust im Leben angeht, so haben sich Philosophen, Theologen, Moralisten und viele andere seit jeher damit beschäftigt, wie diese zu handhaben seien. Nach langem Studium viele Schriften bin ich zum Ergebnis gekommen, dass es im Grunde drei Prinzipien sind, die uns ein Maximum an Vergnügen im Leben bereiten, ohne uns dabei gleichzeitig zu schaden.

 

Die drei Prinzipien der Beurteilung von Vergnügen (bzw. Lust)

  • Jedes Vergnügen, völlig ungeachtet dessen, wie groß es auch sein mag, muss in Balance gehalten werden. Übertreibt man es damit, dann verdirbt man sich dadurch den Appetit und Vergnügen verwandelt sich in Unlust.
  • Ein Vergnügen darf einen niemals von seinem ultimativen Lebensziel ablenken und die Erreichung dieses Ziels erschweren oder gar verhindern.
  • Nur solche Vergnügungen sind legitim, die die heiligen Rechte anderer nicht verletzen.

Das rechte Maß halten

Alle Extreme schaden dem Menschen (mit Ausnahme der Liebe). Selbst Dinge wie Gerechtigkeit dürfen nicht übertrieben werden (deshalb gibt es die Gnade als deren Korrektiv). Dieses Prinzip wurde bereits in der Antike von Aristoteles beschrieben und war seiner Meinung nach die wesentliche Grundlage für ein glückserfülltes Leben (Eudaimonia). Die Bibel rät uns ebenfalls das rechte Maß zu halten und was die Lebenserfahrung betrifft, so wird dieses Prinzip permanent bestätigt.

Vergnügen nur mit Bedacht auf die eigene Lebensmission zulassen

Kein Vergnügen ist es wert unserem Lebenszweck im Wege zu stehen. Keine kurzfristige Lust rechtfertigt langfristige Nachteile. Am besten ist es, wenn man sich, wird man in Versuchung geführt einem schnellen Vorteil nachzugeben, die langfristigen Schäden bildlich und emotional vor Augen hält. Kann man dies sehr lebhaft tun, dann hat man damit einen guten Schutz gegen die Verführungen des Augenblicks.

Niemals die heiligen Rechte anderer verletzen

Schließlich kann es auch kein echtes Vergnügen geben, wo ein anderer darunter zu leiden hat. Wo meine Freude eines anderen Leid ist, da handle ich nicht moralisch und wer ein intaktes Gewissen hat, wird damit auch nicht einfach unberührt seines Weges gehen können. Dieser letzte Punkt erfordert freilich ein gewisses Maß an Empathie. Aber ohne ein solches ist das Leben ohnehin nicht besonders lustvoll.

 

Schlussfolgerung

Es ist offensichtlich, dass Vergnügen und Lust niemals zügellos ausgelebt werden dürfen. Der Hedonismus ist ja bekanntlich eine Tretmühle, die umso mehr Leid erzeugt, je mehr man sich ihm hingibt. Um das Leben wahrhaft zu genießen, braucht man eine ordentlich Portion Disziplin. Aber auch hier gilt es das rechte Augenmaß zu bewahren, denn zu viel und zu harsche Disziplin erdrücken die Lebensgeister und führt zu hartem Stoizismus, ja mitunter sogar zur Lebens- und Lustfeindlichkeit. Weiters dürfen wir uns nie auf Kosten anderer, das heißt durch den Eingriff in deren Rechte, Vergnügen verschaffen (dazu gehören auch Klatsch, Tratsch, Spott und alle möglichen anderen Arten der „verbalen Entgleisungen“). Letztendlich dürfen wir auch niemals das Ziel unseres Lebens aus den Augen verlieren, das heißt also die langfristige Perspektive vernachlässigen. Halten wir uns an diese drei Prinzipien, ist der Grundstein für ein erfülltes Leben gelegt und wir können mit vollem Recht genießen, was uns das Dasein bietet.

 

Euer O. M.

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